Die 10 schönsten Weinheber-Gedichte

Josef Weinheber in der Nußschale – so lautet die Herausforderung für ein Buchvorhaben, mit dem die Josef Weinheber-Gesellschaft an den 125. Geburtstag des Dichters erinnern möchte.stuart bueste 1916 c

Am 9. März 1892 wurde Josef Weinheber in Wien geboren. Er kam in der Gebärklinik des Allgemeinen Krankenhauses in Wien-Alsergrund, Abteilung „Findelhaus“, zur Welt. Als vorehelicher Sohn trägt er den Namen der Mutter, Wykidal. Im Vorstadtbezirk Ottakring, im Dorf Purkersdorf im Wienerwald und schließlich im Hyrtlschen Waisenhaus in Mödling wächst das Kind heran. Hier bilden sich die Erlebnisgrundlagen und die seelische Disposition für sein künstlerisches Schaffen heraus. Ab etwa 1912 widmet er sich, im Brotberuf einfacher Beamter im staatlichen Post- und Telegraphendienst, leidenschaftlich und bedingungslos seiner Berufung: dem Schreiben von Gedichten …

Im Herbst dieses Jubiläumsjahres legen wir den Band „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“ vor, der eine Auswahl aus Josef Weinhebers lyrischem Gesamtwerk bietet (siehe auch den aktuellen Jahresbericht). In zehn Gedichtkreisen und zwei dokumentarischen Anhängen wird der Versuch unternommen, auf etwa 250 Seiten Wesentliches und Repräsentatives, aber auch Seltenes und Besonderes aus vier Jahrzehnten einer intensiven „Suche nach dem Gedicht“ zu versammeln. Alle wichtigen Arbeitsfelder des Dichters werden durchschritten: die zeitkritische Polemik, das Sprachdenken und Sprachexperiment, Gestalt und Form, die Landschaft des Traumes, Musik und Melos, Ding- und Blumengedichte, Gedichte aus der ländlichen Sphäre, Wienerisches, Selbstporträt und Selbstgericht, Kunstauffassung und Künstlertum. –  Leserinnen und Leser aus der heutigen Zeit sollen auf diesem knappen Raum „ihren“ Weinheber kennenlernen oder wiederentdecken können.

Als Vorboten will das Weinheber-Forum „die zehn schönsten Gedichte Josef Weinhebers“ ins Netz stellen: und zwar jeweils eines an jedem Tag bis zum 125. Geburtstag, also vom 28. Februar bis zum 9. März 2017. Wir laden alle Besucher des Forums herzlich ein, uns ihre Vorschläge mitzuteilen. Schreiben Sie uns einfach an weinheberforum@aon.at und geben Sie uns den Titel Ihres Wunschkandidaten bekannt! Wir erstellen dann auf der Basis aller eingelangten Stimmen eine repräsentative Auswahl.

Die zehn schönsten Weinheber-Gedichte aller Zeiten – treffen Sie Ihre Wahl, lassen Sie uns Ihr Lieblingsgedicht wissen und seien Sie dabei so subjektiv, wie Sie wollen!

Kirchstettener Weinheber-Lesung 2016

Ulli Fessl und Gottfried Riedl lesen Josef Weinheber

Sonntag, 9. Oktober 2016, 14:00 Uhr

(Achtung: diesmal beginnt die Veranstaltung eine Stunde früher als gewöhnlich!)

Festsaal des Gemeindeamts der Marktgemeinde Kirchstetten (NÖ); Eintritt: 10 Euro

Wie jedes Jahr laden die Josef Weinheber-Gesellschaft und die Marktgemeinde Kirchstetten zur herbstlichen Lesung aus dem Werk Josef Weinhebers. Das Programm bestreiten die beliebten österreichischen Schauspieler Ulli Fessl und Gottfried Riedl, am Klavier begleitet von Leopold Grossmann. – – Ein Fixtermin für alle Freunde des Dichters!

Kartenvorbestellung: 02743/8206 oder 02743/8989

 

Weinhebers schroffe Haltung im Umgang mit seiner Zeitgenossenschaft, insbesondere mit jener aus der literarischen Zunft, ist legendär. Der Mitwelt, die schriftstellerisch das Wort ergriff, hielt er mit kategorischem Trotz die Motto-Verse seines Buches „Adel und Untergang“ (1934) entgegen: „Die mit mir leben, sind mir längst gestorben …“

Zu Weinhebers Selbstbewusstsein gehörte die Überzeugung, eine „singuläre Erscheinung“ zu sein, die in ihrer „künstlerischen Eigenbeständigkeit“ den Vergleich mit den Wortführern des Literaturbetriebs nicht nötig habe. Mit Heftigkeit verwehrte er sich gegen Versuche, seine Dichtung in die Nachfolge oder gar in eine Abhängigkeit von bekannten Größen seiner Epoche zu rücken – selbst solchen, die er durchaus zu schätzen wusste, wie Rainer Maria Rilke, Georg Trakl, Stefan George oder Karl Kraus.

Aber dieser Gestus des großen Einzelgängers markiert doch andererseits nur eine Art seelischen Schutzwall, den ein über die Maßen sensibler Mensch um sich errichtete, um sein einem schweren Schicksal abgerungenes Gleichgewicht zu bewahren und den fremden wie den eigenen Dämonen standzuhalten. Dahinter wird nicht selten echte Anteilnahme, reges Interesse und starke Begeisterungsfähigkeit sichtbar, die Josef Weinheber dem poetischen Kunstschaffen seiner Zeit entgegenbrachte.

Zwei eindrucksvolle Beispiele – Ausnahmen zwar, aber keineswegs Einzelfälle – stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Lesung: Weinhebers Eintreten für Hans Leifhelm, den gebürtigen Rheinländer, der in Graz seine Heimat gefunden hatte, und für Wilhelm Franke, den Wiener, den es als Dorfschullehrer in das nördliche Waldviertel verschlagen hatte.

Du mir am Himmel,
goldener Sichelmond,
den ich zu sehen schon
nimmer gewohnt:
Weil mich mit großem
Gram das Geschaute schlug,
weil ich ein Leiden tief
herzinnen trug − (…)“

Mit diesen nachdenklichen Versen aus dem Jahr 1942 kehrte Josef Weinheber mitten im Krieg zu einem seiner Lieblingsgedichte zurück: Hans Leifhelms Lied „Mit dem Sichelmond, mit dem Abendstern“ aus dem Band „Gesänge von der Erde“ (1933). Es war ein andeutungsvolles Bekenntnis zu den „stillen Brüdern“, den Flammenhütern des reinen Gedichts, die das „verlogne Tanzlied“ des Tages verdrängt und geschändet hatte.

Im zweiten Teil regieren dann wieder Witz und Satire. Da kommt eine literarische Vergangenheit zu Wort, mit der Weinheber sich ohne Einschränkung verbunden fühlte: Wir suchen nach den Spuren der Altwiener Volkskomödie in den berühmten Gedichten von „Wien wörtlich“ und stoßen vor allem auf die Vorbildwirkung von Johann Nestroys Rollenliedern und Couplets.

„Deuter, Seher, Suchender“ – Franz Spunda-Kolloquium in Wien

„Deuter, Seher, Suchender“ – Kritsche Annäherungen an den Schriftsteller Franz Spunda (1890–1963)

Literarhistorisches Kolloquium und BuchpräsentationFranz Spunda 004

Veranstaltet von der Österreichischen Goethe-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Institut für Germanistik der Universität Wien

Mittwoch, 4. November 2015, 14:00 – 19:00 Uh, freier Eintirtt

Alte Kapelle, Campus der Universität Wien (Altes AKH), Spitalgasse 2, 1090 Wien (in den Räumlichkeiten des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin)

Zur Programmfolge: http://www.goethe-gesellschaft.at

Kontakt und weitere Informationen: +43 (0)676 5875347

Der österreichische Schriftsteller Franz Spunda (geb. 1890 in Olmütz, gest. 1963 in Wien) zählt zu den schillernden Prot­agonisten einer Literatur im Schatten der „transzendenta­len Obdachlosigkeit“ zwischen den beiden großen Kriegen. Durch seine aus okkultem Interesse erwachsenden Beiträge zur Gattung des grotesk-phantastischen Romans (der „ma­gische Dichter“), durch seine vielfältige historische und my­thologische Epik sowie durch seine mystisch orientierten Versuche auf dem Gebiet der deutschsprachigen Griechen­land-Reiseliteratur nimmt er einen markanten und reprä­sentativen Ort in seiner Epoche ein. Er fungiert als Populari­sator virulenter Lebensreformideen und spekulativer ge­schichtsphilosophischer Entwürfe. Der kulturkritische, um religiöse Erneuerung bemühte Impuls seines Schaffens führt ihn zu politischem Engagement im Umkreis esoterisch-revolutionärer Zirkel und lässt ihn im Bürgerkrieg der dreißi­ger Jahre für das „nationale“ Lager Partei ergreifen.

Aus einer Konferenz an der Arbeitsstelle für deutschmähri­sche Literatur der Universität Olmütz/Olomouc im Herbst des vergangenen Jahres ging ein erster Band mit fundierten Studien zu dem literaturwissenschaftlich bislang weitge­hend vernachlässigten Autor hervor. Er setzt sich mit den ästhetischen, gattungsmäßigen und weltanschaulichen Perspektiven des Spundaschen Textschaffens sowie mit den ideologischen und kulturpolitischen Aspekten seines Wir­kens auseinander.

Aus Anlass des 125. Geburtstags stellt das Wiener Kolloqui­um diesen Band vor und knüpft in mehreren Vorträgen dar­an an. Zentrale Probleme sollen hervorgehoben und in ei­ner abschließenden Podiumsdiskussion thematisiert wer­den, wobei besonders der Frage nachgegangen werden soll, wie das Phänomen Spunda im Rahmen einer österrei­chischen bzw. mitteleuropäischen Literaturgeschichte an­zusiedeln wäre.

Die Veranstaltung widmet sich einem Zeitgenossen, mit dem Josef Weinheber auch in persönlichem Kontakt stand. Es war weder ein enges noch ein konfliktfreies Verhältnis; zu verschieden waren die beiden Schriftsteller und ihre jeweiligen Positionen und Ziele. Als einen der populären „Zsolnay-Autoren“ traf den Romancier Spunda die Ablehnung des Nur-Lyrikers Weinheber in den dreißiger Jahren; in den vierziger Jahren führte sie der offiziöse „Wiener Dichterkreis“ um die Zeitschrift  „Der Augarten“ wieder zusammen. Den Unterschieden zum Trotz verspricht der Blick auf Franz Spunda und dessen Umgebung auch interessante Aufschlüsse über die Literatur- und Kulturlandschaft, in der sich Weinheber bewegte.