Jahresbericht 2018 / Programmausblick 2019

Kirchstetten, im Januar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Das vergangene Arbeitsjahr der Josef Weinheber-Gesellschaft stand im Zeichen des schweren Verlusts, den das Ableben unseres langjährigen Präsidenten Christian Weinheber-Janota am 26. Dezember 2017 bedeutet hatte.

Neuwahl des Vorstands

Die Gesellschaft hatte sich zunächst neu zu konstituieren, um die große Lücke, die Christian Weinheber-Janota hinterlassen hatte, wenigstens organisatorisch zu schließen. So wurde der Verfasser dieser Zeilen vom Vizepräsidenten zum Präsidenten der Gesellschaft „befördert“; als neue Vizepräsidentin stellte sich Frau Alexandra Weinheber-Janota, die Tochter des Verstorbenen, zur Verfügung. Ihr und der gesamten Familie Weinheber-Janota ist für die damit erwiesene wertvolle Kontinuität ihres Wirkens zugunsten unserer Institution sehr zu danken. Der neu zusammengesetzte, zunächst kooptierte Vorstand wurde in einer Außerordentlichen Generalversammlung am 11. November 2018 antragsgemäß in seinen Ämtern bestätigt. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern des Vorstands sowie allen übrigen Teilnehmern für ihre keineswegs selbstverständliche Bereitschaft und Unterstützung.

Buchpräsentationen

In den ersten Monaten des vergangenen Jahres fand eine Reihe von Veranstaltungen statt, die der Präsentation der neuen, mit Unterstützung unserer Gesellschaft verwirklichten Weinheber-Auswahl, „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“, galten. Überall traf ich dabei auf ein sehr interessiertes Publikum. Hervorzuheben wäre z. B. die schöne Präsentation im Rahmen des P.E.N.-Clubs Salzburg am 1. März (Lesung: Werner Friedl), der gemütliche „Abend für Josef Weinheber“, zu dem uns der Döblinger Heimatkreis von Wolfgang Schulz am 6. März geladen hatte (Rezitation: Peter Steinbach, s. Foto unten), und die spannende Diskussionsrunde in der Österreichischen Goethe-Gesellschaft am 9. April (Lesung: Dr. Herbert Schrittesser).

Von den kritischen Reaktionen, die das Buch, das alle Mitglieder als Jahresgabe erhalten haben, in der Presse hervorgerufen hat, sei der von großem Verständnis getragene Artikel von Prof. Dr. Günter Scholdt in der Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ vom 2. Februar 2018 besonders hervorgehoben („Bin ein düstrer Niemand diesem Land“, nachzulesen im Netzarchiv der Zeitung).

Ehrenmitgliedschaft für Ulli Fessl

Die Generalversammlung am 11. November 2018 fasste den Beschluss, Frau Ulli Fessl für ihre Verdienste um das Werk und die Person Josef Weinhebers die Ehrenmitgliedschaft der Josef Weinheber-Gesellschaft zu verleihen. Frau Fessl war das erste Mal im Jahr 1988 auf der Weinheber-Bühne der Gemeinde Kirchstetten gestanden, damals noch gemeinsam mit dem legendären Erich Auer. Sie hat sich seither als Schauspielerin, Vortragskünstlerin und auch als liebevolle Programmgestalterin in unnachahmlicher Weise für Josef Weinheber eingesetzt. Wir freuen uns sehr, dass sie die Ehrung angenommen hat. Die Urkunde wurde ihr im Rahmen der diesjährigen Lesung überreicht (s. Foto unten: Ehrenmitglied Ulli Fessl mit Brigitte Weinheber-Janota und Dr. Christoph Fackelmann).


Neben Ulli Fessl interpretierten diesmal Andreas Roder und Karl Tattyrek Lyrik von Josef Weinheber, musikalisch begleitet von Junko Tsuchiya (Klavier) und Taner Türker (Cello). Die Veranstaltung, die sehr gut aufgenommen wurde, stand unter dem Motto zweier Verse, die einst Hermann Claudius seinem Freund Weinheber gewidmet hatte: „Das ist das Wundersame deiner Kunst, / dass sie den Dingen ihr Geheimnis lässt …“

Neue Veranstaltungshinweise

Für heuer können wir zunächst zwei Veranstaltungen in intimerem Rahmen ankündigen, zu denen wir Sie sehr herzlich einladen (der Eintritt ist jeweils frei):

Samstag, 9. März 2019, 17:00 Uhr, Begegnungszentrum Quo vadis?, Stephansplatz 6, 1010 Wien: „Dienst im leergewordnen Heiligtume.“ Gedichte des Glaubens und der Gottsuche von Josef Weinheber und Reinhold Schneider. – Vortrag und Lesung: Dr. Christoph Fackelmann und Wolfgang Vasicek.

Dieser Veranstaltung für Liebhaber der Klassischen Moderne in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative „consideratio“ soll übrigens im Herbst ein zweiter Teil folgen. Darin stehen dann Georg Trakl und Karl Kraus im Mittelpunkt, beide bekanntlich zentrale Bezugsgrößen für Weinheber. Über das gesamte Programm der Reihe „Gedichte hören“ informieren die Seiten http://www.consideratio.at und http://www.quovadis.or.at.

Donnerstag, 11. April 2019, 17 Uhr 30, Volksbildungskreis Wien, Prinz-Eugen-Straße 44, 1040 Wien: „Ich bin ein Freund der Vergangenheit.“
Poetische Erinnerungen an das Alte Wien von Ferdinand von Saar bis Josef Weinheber. – Vortrag und Lesung: Dr. Christoph Fackelmann und Harald Cajka.

Auf weitere Termine werden wir Sie wie gewohnt in unseren Aussendungen und auf dem „Weinheber-Forum“ im Internet aufmerksam machen.
Bitte nützen Sie auch die Möglichkeit eines Besuches im Weinheber-Haus in Kirchstetten! Frau Brigitte Weinheber-Janota führt Sie gerne durch die original erhaltenen Schauräume und die Dauerausstellung, die viele sehenswerte Dokumente zeigt (telefonische Voranmeldung unter +43 [0]2743 8989 erbeten!). Am waldseitigen Ende des Gartens finden Sie, liebevoll gepflegt, die Grabstätte des Dichters.

Als kleinen Vorgeschmack auf den Besuch erlauben wir uns, diesem Jahresbericht ein Lesezeichen beizulegen, das die Weinheber-Gesellschaft im vergangenen Jahr für die jungen Besucher des Weinheber-Hauses aufgelegt hat („Weinheber für Frischlinge“).

Archiv und Sammlung

Im Sommer begann der Unterzeichnete eine schon lange geplante Neuordnung und Bestandsaufnahme der Arbeitsbibliothek im Weinheber-Haus. Die Aufschlüsse, die der dortige Buchbestand über Bildung, und Schaffen sowie über die bewegte Rezeptionsgeschichte des Dichters gewährt, sind nicht zu unterschätzen und bei weitem noch nicht vollständig erfasst. Die Neuaufstellung soll zunächst einmal eine bessere Übersicht und Verfügbarkeit gewähren. Die Durchsicht und Ordnung des Gesellschaftsarchivs soll folgen.

Unsere im letzten Jahresbericht erwähnten Bemühungen, neu aufgetauchte, wichtige Weinheber-Autographen (sog. Elisabeth-Ihle-Archiv) in sichere Obhut zu bringen, blieben vorläufig ohne Erfolg. Für einen Ankauf fehlen der Gesellschaft selbst die nötigen Mittel; finanzkräftige Förderer blieben bislang leider aus.

Auch mussten wir uns Mitte 2018 in der Sache eines eigenen Autographenkonvoluts aus dem Archiv der Gesellschaft (Briefe an Edmund Finke) gegen die Ansprüche eines Wiener Autographenhändlers zur Wehr setzen, was nur mit Hilfe unseres Mitglieds Dr. Helmut Noll und mit rechtsanwaltlichem Beistand gelingen konnte.

Das waren wenig erfreuliche Entwicklungen, die meine Bitte an die Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft unterstreichen: Wir brauchen engagierte Mitarbeiter und Unterstützer – solche, die unserer kulturellen Arbeit mit Rat und Tat, und solche, die ihr finanziell unter die Arme greifen. Bitte bedenken Sie: Wir müssen unsere Publikations- und Veranstaltungstätigkeit sowie unsere wissenschaftlichen Projekte derzeit nach wie vor fast ausschließlich auf private Initiative bauen. Da uns nicht selten ein verständnisloses gesellschaftliches Klima entgegenschlägt, verfügen wir auch über keine regelmäßigen Zuschüsse von öffentlicher Hand.

Nun wünsche ich Ihnen und unserer gemeinsamen Sache ein erfreuliches Jahr 2019 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen
Ihr

Dr. Christoph Fackelmann
Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft

Hier finden Sie die vollständige Fassung des Jahrersberichts im Original-Falterformat als PDF zum Herunterladen.

Jahresbericht 2017 / Programmausblick 2018

Kirchstetten, im Jänner 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Dem Bericht über die Tätigkeit der Josef Weinheber-Gesellschaft im Jahr 2017 muss eine schmerzliche Mitteilung vorangestellt werden: Am 26. Dezember, wenige Wochen nach seinem 76. Geburtstag, ist der Präsident unserer Gesellschaft, Herr Christian Weinheber-Janota, nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Es sind Tage der Trauer und des Innehaltens für uns alle. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gelten in dieser Zeit der Familie, der Ehefrau Brigitte Weinheber-Janota, der Tochter Alexandra Weinheber-Janota, der Enkeltochter Johanna und allen anderen Familienangehörigen und Hinterbliebenen.

Dies ist nicht der Ort für einen Nachruf, der die Persönlichkeit Christian Weinheber-Janotas und dessen Verdienste um das Werk seines Vaters, des Dichters Josef Weinheber, in gebührender Form zu würdigen verstünde. Die Aufgabe muss einem anderen Rahmen und einem größeren zeitlichen Abstand vorbehalten bleiben. Einige Sätze der Erinnerung seien aber gestattet: lesen Sie bitte hier.

Ein letztes Ergebnis der Präsidentschaft Christian Weinheber-Janotas liegt in Gestalt des Buches vor, das Sie mit diesem Schreiben in Händen halten. Es handelt sich um eine Auswahl aus dem lyrischen Gesamtwerk mit dem einem Weinheber-Vers entnommenen Titel:

„Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“.

Das Buch möge, wenn es auch begreiflicherweise nicht unter diesen Vorzeichen entwickelt wurde, nun als ein Vermächtnis des Wirkens von Christian Weinheber-Janota aufgenommen werden, zumal es ohne dessen Befürwortung und Unterstützung nicht das Licht der Welt erblickt hätte. Neben der Förderung durch die Josef Weinheber-Gesellschaft, die den Band nun ihren Mitgliedern als Jahresgabe für 2016/17/18 überreichen darf, dankt dieser dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung – in Person der Leiterin der Abteilung für Literaturförderung, Frau Mag. Gabriele Ecker – einen großzügigen Druckkostenzuschuss. Dem Kyrene Literaturverlag des Schriftstellers und Theologen Mag. Martin Kolozs gebührt großes Lob für die Verwirklichung der Buchidee im Rahmen seines Herbstprogramms 2017 sowie für die anspruchs- und geschmackvolle Gestaltung, die einen Weg der Verbindung von modernen und altbewährten Mitteln suchte. Bei den Korrekturen und der redaktionellen Arbeit stand dem Herausgeber mit bewährtem Sachverstand und großer Gründlichkeit unser Mitglied, Herr Mag. Alexander Martin Pfleger (Glattbach), zur Seite. Auch ihm sei an dieser Stelle nachdrücklich gedankt!

Über die Ziele des Buches ist im vergangenen Jahresbericht schon das Wesentliche gesagt worden. Der Band möchte zum einen dem Wiederentdecken, aber auch Neukennenlernen dienen, indem er auf überschaubarem Raum einen profunden Einblick in das gesamte lyrische Schaffen Josef Weinhebers vermittelt, gruppiert entlang von zehn nach motivischen und formalen Gesichtspunkten gebildeten Gedichtkreisen und ergänzt durch zwei dokumentarische Anhänge, die das wenig bekannte Frühwerk und den Sonderbereich der Festgedichte aus der NS-Zeit anhand repräsentativer Beispiele erschließen. Zum anderen möchte das Buch auch historische Orientierung und biographische Information zur Verfügung stellen. Diesem mit dem gewachsenen Abstand wohl umso größeren Nachschlagebedürfnis der Gegenwart wollen das Nachwort und eine detaillierte Lebenschronik entgegenkommen.

Bitte, tragen Sie dazu bei, das Werk Josef Weinhebers mit Hilfe dieses neuen Auswahlbandes zu verbreiten. Zum ersten Mal seit langer Zeit verfügt der Buchhandel damit wieder über eine kompakte, philologisch verlässliche, für jedermann erschwingliche Anthologie der Weinheberschen Lyrik, zusammengestellt in der Überzeugung, dass diese doch allen vom Zeitgeist diktierten Vorbehalten zum Trotz aus dem literarischen Gedächtnis unseres Kulturraums nicht wegzudenken sei. Welche staunenswerte Substanz den Gedichten innewohnt, will die neue Auswahl einer heutigen Leserschaft erfahrbar machen.

Aus Anlass der 125. Wiederkehr des Geburtstags von Josef Weinheber konzipiert, kam das Buch erst gegen Ende des Jubiläumsjahres, am 12. Dezember 2017, in den Buchhandel. Die Verzögerungen waren durch allerlei hier und andernorts angedeutete äußere Umstände unvermeidbar geworden. Infolgedessen sind auch die im Zusammenhang mit dem Erscheinen geplanten, im letzten Bericht angekündigten Veranstaltungen nicht wie gewünscht zustande gekommen. In den nächsten Monaten soll die Vorstellung des Buches hingegen bei der einen oder anderen Gelegenheit nachgeholt und auf diese Weise die „Werbetrommel“ für Josef Weinheber gerührt werden.

Ein erster Termin in kleinem Rahmen steht bereits fest: Einen

„Abend für Josef Weinheber“

veranstaltet der Döblinger Heimatkreis am Dienstag, den 6. März 2018, um 18 Uhr 30 (Einlass 17 Uhr, Telefon: 0650 357 39 44) im „Wiener Gasthaus“, Iglaseegasse 40, 1190 Wien (Souterrain). Der Verfasser dieser Zeilen wird gemeinsam mit Wolfgang Schulz das Buch vorstellen und den Dichter zu Ehren kommen lassen.

Über weitere Termine werden Sie die Josef Weinheber-Gesellschaft und unser „Weinheber-Forum“ im Internet rechtzeitig informieren.

Zugunsten des kleinen Weinheber-Jubiläums 2017 sprangen aber nicht zuletzt einige Liebhaber-Initiativen verdienstvoll in die Bresche. Zwei seien stellvertretend hervorgehoben und herzlich bedankt: Das Bezirksmuseum Wien-Landstraße und der von Ingeborg Steyer geleitete Kulturverein „Roncalli“ veranstalteten am 28. März 2017 eine Lesung aus den Werken Josef Weinhebers, mit großer Spielfreude dargeboten von Peter Steinbach. Der Schwerpunkt lag auf den wienerischen Texten aus „Wien wörtlich“, mit köstlichen Interpretationen berühmter Rollen- und Szenengedichte.

Der „Kulturkreis Kirchstetten“ unter der Leitung von Karl J. Mayerhofer lud am 4. November 2017 zu einem Weinheber-Nachmittag in den Festsaal der Marktgemeinde Kirchstetten. Karl Tattyrek und Andreas Roder trugen Gedichte vor, „Die Gassenhauer & Manfred Hartl“ sorgten mit volkstümlichen Weisen in klassischer Form für gelungene musikalische Abwechslung. Auch hier interessierte vor allem der komödiantische Weinheber. Die Bezüge zur landläufigen Mundartliteratur, zum modernen Kabarett und gar zum wienerisch getönten Schlager der Marke „Austropop“, die dabei hergestellt wurden, werden bei denjenigen, die etwas tiefer mit dem Werk und dem Selbstverständnis Josef Weinhebers vertraut sind, auf verständliche Skepsis, ja Widerspruch gestoßen sein. Das Publikum lohnte die schwungvollen Bemühungen aller Beteiligten zu Recht mit Beifall und sichtlichem Vergnügen.

Auch heute, mehr als 70 Jahre nach dem Tod des Dichters, tauchen immer wieder unbekannte oder verloren geglaubte Weinheber-Manuskripte im Autographenhandel auf. Die Weinheber-Gesellschaft wäre finanziell bei weitem überfordert, wollte sie hier selbst sammelnd und archivierend hervortreten. Leider werden aber auch die budgetären Spielräume der öffentlichen Institutionen, also in Weinhebers Fall insbesondere der Österreichischen Nationalbibliothek, immer kleiner. Mitunter ergibt dies Situationen, wo eine gefährliche Zerstreuung der Handschriften in nicht näher bekannte private Hände unmittelbar zu befürchten ist. Der Forschung werden so wichtige Quellen vorenthalten. Ein solcher Fall drohte jüngst im Zusammenhang mit einem Briefwechsel, den Josef Weinheber in den Jahren 1936 und 1937 mit der Übersetzerin Elisabeth Ihle (1893–1988) aus Detmold geführt hatte. Diese Korrespondenz und Begleitmaterialien, das so genannte

Elisabeth-Ihle-Archiv“,

wurden der Gesellschaft jüngst von den Erben der Schriftstellerin angeboten. Über diese Briefe zu verfügen wäre für die Weinheber-Forschung von nicht geringem Wert. Sie schlössen eine echte biographische Lücke, zumal sich zwischen Josef Weinheber und Elisabeth Ihle eine enge, wenn auch nicht lange währende Beziehung entwickelte und der Austausch zwischen den beiden u. a. die bewegenden Erfahrungen der ersten Deutschland-Reisen des österreichischen Dichters spiegelte (vgl. u. a. den Brief an E. G. Kolbenheyer vom 19. 12. 1938 in der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft“ 2010/11/12, S.155ff., dazu die Erläuterungen auf S. 218).

Das Außergewöhnliche dieses Fundes und die erschwerenden Umstände des gegenwärtigen institutionellen Desinteresses lassen eine Ausnahme von unserer bisherigen zurückhaltenden Praxis geboten erscheinen. Wir verfügen über die Kompetenz, die Autographen wissenschaftlich zu erschließen und allgemein zugänglich zu machen und könnten sie später gegebenenfalls als Leihgabe oder Donat dem Nachlass einverleiben. Die Möglichkeit des Erwerbs und damit der Bewahrung für die Weinheber-Forschung wäre der Josef Weinheber-Gesellschaft aber nur mit Hilfe von großzügigen, zweckgebundenen Spenden aus unserem Unterstützerkreis gegeben. Hier müsste jedenfalls rasch gehandelt werden!

Bei Interesse setzen Sie sich bitte mit dem Unterzeichneten in Verbindung, der Ihnen sehr gerne für alle Auskünfte in dieser Angelegenheit, aber selbstverständlich auch bei anderen Anliegen und Anfragen zur Verfügung steht (E-Mail: christoph.fackelmann@aon.at; Telefon: +43 (0)676 5875347).

Wie immer informieren Sie über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse http://weinheberforum.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen, Aufführungen und Publikationen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: weinheberforum@aon.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2018 mit

21,80 €

unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können!

Ich wünsche Ihnen und unserer gemeinsamen Sache ein gesegnetes Jahr 2018 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Dr. Christoph Fackelmann e. h.
(Obmannstellvertreter)

Jahresbericht 2016/ Programmausblick 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Das Werk Josef Weinhebers hatte in den letzten Jahren keinen leichten Stand bei der Literaturwissenschaft. Rar waren solche Erwähnungen, die einigermaßen ernst und mit Substanz an die Erscheinung des österreichischen Dichters herangingen, zahlreicher die Fälle, in denen bloß die bereits eingespielten Klassifizierungen wiederholt wurden, verbunden mit Vorurteilen und Verkürzungen, die ein nicht geringes Maß an Ignoranz gegenüber den wirklichen Sachverhalten, aber auch gegenüber den Leistungen der Weinheber-Philologie in engeren Sinn verrieten. Bei Nennungen und kürzeren Einlassungen im Rahmen von Literaturgeschichten – zuletzt etwa zu beobachten bei einer Anzahl von neuen einbändigen Darstellungen der Literaturgeschichte Österreichs – mag das hinzunehmen sein, weil Differenzierung und genaueres Hinsehen sich von Haus aus nur schwer mit dem Anspruch solcher Überblicksbeschreibungen verbinden lassen. Dennoch ist es bedauerlich, dass diese das Niveau der massenmedialen Stellungnahmen im „Fall Weinheber“ nicht wesentlich überschreiten.

Umso mehr erfreut es, dass zuletzt auch gründlichere und um größere Sachlichkeit bemühte Versuche zu verzeichnen sind, sich historiographisch mit Josef Weinheber auseinanderzusetzen. Wir verweisen auf ein kleines Forschungsvorhaben des englischen Musikhistorikers Matthew Werley (Cambridge, derzeit Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen), das den Beziehungen zwischen Josef Weinheber und dem Komponisten Richard Strauss (1864–1949) in den vierziger Jahren nachspürt und hier eine Lücke in der Lebens- und Schaffensgeschichte beider Künstler schließen kann. Der Aufsatz wird unter dem Titel „Ach, wie hatten jene Zeiten Kraft“. Erinnerungskultur, Landschaft und Richard Straussʼ „Blick vom oberen Belvedere“ in dem Sammelband Richard Strauss – der Komponist und sein Werk. Überlieferung, Interpretation, Rezeption, herausgegeben von Sebastian Bolz und Hartmut Schick (München: Allierta Verlag), erscheinen.

Strauss hat nicht nur zwei Gedichte Weinhebers vertont („Blick vom oberen Belvedere“ und „Sankt Michael“, beide aus Anlass des 50. Geburtstags des Dichters, 1942). Für eines der letzten großen Kompositionsvorhaben von Strauss, die symphonische Dichtung „Die Donau“, hätte Weinhebers „Terzinen auf Wien“ (1940) gar eine Schlüsselrolle – als Chorvertonung im Finale – zukommen sollen. Leider blieb dieses Werk unvollendet. Am 27. 4. 1943 übersandte Weinheber Strauss eine weitere Dichtung, die „Symphonischen Beichte“ (im Mai 1942 entstanden, später aufgenommen in „Hier ist das Wort“, 1944/47), und bemerkte dazu: „Ich habe mir gedacht, dieses Gedicht könnte Ihnen vielleicht die Grundlage zu einem musikalischen Werke bieten, weil es sich mit der menschlichen Seele als Musik befaßt“ (Der Strom der Töne trug mich fort. Die Welt um Richard Strauss in Briefen. Hrg.: Franz Grasberger. Tutzing 1967, S. 416). Darauf antwortet das einzige Schreiben Straussʼ an Weinheber, das sich im Nachlass erhalten hat:

„Sehr verehrter lieber Herr Weinheber! Herzlichen Dank für Ihre schönen Dichtungen! Aber mit dem Componieren steht es schlecht. Meine arme Frau war recht krank, ist aber auf dem Wege der Genesung! Mit der ,Donauʻ u. ihren prächtigen Terzinen auf Wien willʼs gar nicht vorwärtsgehen! […]“ (8. 5. 1943).

Weinheber hat dem Tondichter zu dessen 80. Geburtstag im Jahr 1944 das Gedicht „Für Richard Strauss“ gewidmet (ebenfalls aufgenommen in „Hier ist das Wort“).

Ein zweiter, jüngst publizierter Aufsatz widmet sich „Im Grase“, einem der berühmtesten Gedichte Josef Weinhebers (enthalten in „Späte Krone“, 1936). Schon eine stattliche Reihe von Historikern und Literaturkundigen hat sich diesem Text interpretatorisch anzunähern versucht. Rainer Hillenbrand, Germanist an der Universität Pécs (Fünfkirchen, Ungarn), hat mit seiner Studie Weinhebers „Im Grase“ als poetische Erinnerung an das Vergessen eine sehr lesenswerte Deutung hinzugefügt. Positiv fällt schon der gelassene Duktus auf, der die gewisse Hysterie, welche die ideologiekritische Mode in den germanistischen Umgang mit Zeugnissen aus dieser Epoche eingeführt hat, nüchtern und entschieden vermeidet und den Text als Kunstwerk ernst nimmt. Vorurteile und Stereotype, die sich im Umgang der Germanistik mit Weinhebers Werk eingebürgert haben, werden unbefangen als das, was sie sind, benannt. Auch die Beobachtungen, die Hillenbrand zur Traditionsverortung des Weinheber-Textes anstellt, leuchten in vielen Fällen ein. Der Gedanke, das Gedicht von Sujet und Topik her vor dem Hintergrund von „Erinnerungswissen“ und „Gedächtnis“ zu erschließen, erscheint wirklich fruchtbar und berechtigt: sowohl was das Textgefüge, den Vorstellungsaufbau betrifft – wo Weinheber „formale Kunst mit sinnlicher Anschaulichkeit verbindet“ – als auch im Hinblick auf dessen „variierende und weiterführende“ Verzahnung mit der motivgeschichtlichen Überlieferung. Mancher bislang unbeachtete Hinweis, insbesondere auf mögliche Quellen aus dem Volks-, Kirchen- und Kunstliedschatz, ist bedenkenswert; frappierend z. B. der Bezug auf das Gedicht „Feldeinsamkeit“ von Hermann Allmers, bekannt durch die Vertonung von Johannes Brahms:

„Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohnʼ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen, weißen Wolken ziehn dahin
Durchʼs tiefe Blau, wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ewʼge Räume.“

Es geht, der Weinheberschen Kunstauffassung entsprechend, nicht darum, außergewöhnliche und neue Metaphern zu finden. In „Im Grase“ sind sie vielmehr „in hohem Maße traditionell. Originell aber ist ihre Kombination“, also die Art und Weise, wie der Dichter gestalterisch mit den vorgefundenen und übernommenen Sprachbildern verfährt, um eine ihm gemäße Symbolsituation zu entfalten. Der ideell-weltanschaulichen Deutung der im Gedicht gestalteten „Erlösung vom Leid des Bewußtseins durch Schlaf und Tod“, wie sie Hillenbrand unterbreitet, ist nachdrücklich zuzustimmen.

Die Studie ist in dem vom Verfasser selbst herausgegebenen Tagungsband Erinnerungskultur. Poetische, kulturelle und politische Erinnerungsphänomene in der deutschen Literatur („Pécser Studien zur Germanistik“, Bd. 7; Wien: Praesens Verlag 2015) enthalten. Wir hoffen, sie in einem der nächsten Bände unserer „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ für die Weinheber-Freunde nachdrucken zu können.

Daran lassen sich gleich ein paar Bemerkungen zu der aktuellen Publikationstätigkeit der Josef Weinheber-Gesellschaft anschließen: Im letzten Jahresbericht wurde bereits ein neuer Band unserer „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ angekündigt, in dem der Schwerpunkt auf den mit Weinheber verbundenen Dichter Hans Leifhelm gelegt werden soll. Im vergangenen Herbst, am 9. Oktober 2016, widmete sich auch unsere Kirchstettener Weinheber-Lesung dieser Dichterbeziehung. Frau Burgschauspielerin Ulli Fessl brachte lyrische und biographische Zeugnisse daraus zu Gehör, schloss aber auch andere Freundschaften und geistige Verwandtschaften mit ein: etwa Weinhebers Förderung des jungen Waldviertler Lyrikers Wilhelm Franke und die Spuren seiner Begeisterung für das Werk Johann Nestroys, die sich in „Wien wörtlich“ feststellen lassen. Hier bewies Frau Fessl ein weiteres Mal ihr großes komödiantisches Können und wusste sogar, gemeinsam mit Leopold Grossmann am Klavier, als Coupletinterpretin zu begeistern.

Nun haben wir uns entschlossen, den geplanten Leifhelm-Band zeitlich noch etwas zurückzuschieben. Das geschieht im Hinblick auf das heuer anstehende Jubiläum, die Feier des 125. Geburtstags Josef Weinhebers. Zu diesem Anlass wollen wir nämlich ein anderes Projekt vorziehen: eine neue Auswahl aus dem lyrischen Gesamtwerk Josef Weinhebers. Sie soll es ermöglichen, dass endlich wieder eine leicht zugängliche, überschaubare, aber trotzdem repräsentative Auslese der Lyrik des Dichters im Buchhandel verfügbar ist – als gediegener belletristischer Einstieg und Orientierungsbasis für jedermann. Zurzeit können ja außer den beiden humoristischen Werken, „Wien wörtlich“ (bei Otto Müller in Salzburg) und „O Mensch, gib acht“ (bei V.F. Sammler in Graz), nur mehr einzelne Bände der wissenschaftlichen Gesamtausgabe bezogen werden. Das geplante Buch, zusammengestellt und mit einem Nachwort sowie einer Zeittafel versehen von Christoph Fackelmann, soll diesem wenig befriedigenden Zustand Abhilfe schaffen.

Der Band mit dem Titel „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“ wird im Hauptteil, in zehn Gedichtkreise gegliedert, einen Eindruck vom gesamten künstlerischen Spektrum vermitteln, wie es sich in den einst so berühmten Konzeptsammlungen der zwanziger und dreißiger Jahre darbietet. Es werden also Proben enthalten sein von den formexperimentalen Gedichten, der lautsymbolischen Lyrik, den „architektonisch“ angelegten zyklischen Versuchen, den radikalen lyrischen Selbstbildnissen, den Gedichten, die musikalische Formensprache in Sprachkunst umzusetzen versuchen („Kammermusik“), dazu auch Beispiele der beißend zeitkritischen Versglossen sowie eine Auslese aus der satirisch-humoristischen Lyrik in Wiener Mundart und aus dem „erbaulichen Kalenderbuch für Stadt- und Landleut“.

Der zweite, kleinere Teil wird zum einen die so genannte „Gottsucher“-Lyrik, d. h. die zu Lebzeiten größtenteils unveröffentlichte, faszinierend „rebellische“ Erstlingslyrik (Zyklen wie „Der dunkle Weg“, „Einer, der mittrank“ etc.), in Auszügen vorstellen. Zum anderen wird auch der Problembereich der in politischem Auftrag geschriebenen Festgedichte aus der Spätzeit anhand dreier prominenter Beispiele dokumentiert: des Hymnus „Den Gefallenen“ für die Schuschnigg-Regierung, 1935, des „Hymnus auf die Heimkehr“ aus dem Frühjahr 1938 und des „Hymnus auf den Frontarbeiter“ für den „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“, 1940. Damit kann die Auswahl auch den immer wieder geführten geschichtspolitischen Debatten um die Rolle des Schriftstellers in den NS-Jahren eine entsprechend umsichtige Textbasis zur Hand geben, ebenso dem schulischen und akademischen Diskurs, der darauf Bezug nehmen möchte.

Das Buch wird in einem jungen, anspruchsvollen österreichischen Literaturverlag erscheinen und den Mitgliedern der Josef Weinheber-Gesellschaft als Jahresgabe überreicht werden. Da es aber erst für das Herbstprogramm des Buchjahres vorgesehen ist, müssen wir Sie noch um etwas Geduld bitten. Voraussichtlich wird sich an die Präsentation des Buches im Herbst dann auch eine würdige öffentliche Veranstaltung zur Feier des Gedenkjahrs anschließen. Darüber werden wir Sie noch gesondert informieren. Die Weinheber-Gesellschaft ist bemüht, diese und künftige Arbeitsvorhaben zur Erschließung von Werk, Nachlass und historischem Umfeld des Dichters wie bisher nach Kräften finanziell zu unterstützen. Unsere Mittel sind naturgemäß begrenzt, und das Gelingen unsere ambitionierten Pläne ist daher mehr denn je auf die großzügige Unterstützung und die bereitwillige Mitarbeit der Freunde des Dichters angewiesen! Wir stehen Ihnen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an den Unterzeichneten (Kontaktadressen s. Briefkopf) oder an Herrn Dr. Christoph Fackelmann (E-Mail: christoph.fackelmann@aon.at; Telefon: +43 (0)676 5875347).

Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie übrigens nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse http://weinheberforum.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen und Aufführungen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: information@weinheber.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2017 mit

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unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere gemeinsame Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können!

Ich wünsche Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2017 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen

Christian Weinheber-Janota e. h. (Präsident)