Jahresbericht 2016/ Programmausblick 2017

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Das Werk Josef Weinhebers hatte in den letzten Jahren keinen leichten Stand bei der Literaturwissenschaft. Rar waren solche Erwähnungen, die einigermaßen ernst und mit Substanz an die Erscheinung des österreichischen Dichters herangingen, zahlreicher die Fälle, in denen bloß die bereits eingespielten Klassifizierungen wiederholt wurden, verbunden mit Vorurteilen und Verkürzungen, die ein nicht geringes Maß an Ignoranz gegenüber den wirklichen Sachverhalten, aber auch gegenüber den Leistungen der Weinheber-Philologie in engeren Sinn verrieten. Bei Nennungen und kürzeren Einlassungen im Rahmen von Literaturgeschichten – zuletzt etwa zu beobachten bei einer Anzahl von neuen einbändigen Darstellungen der Literaturgeschichte Österreichs – mag das hinzunehmen sein, weil Differenzierung und genaueres Hinsehen sich von Haus aus nur schwer mit dem Anspruch solcher Überblicksbeschreibungen verbinden lassen. Dennoch ist es bedauerlich, dass diese das Niveau der massenmedialen Stellungnahmen im „Fall Weinheber“ nicht wesentlich überschreiten.

Umso mehr erfreut es, dass zuletzt auch gründlichere und um größere Sachlichkeit bemühte Versuche zu verzeichnen sind, sich historiographisch mit Josef Weinheber auseinanderzusetzen. Wir verweisen auf ein kleines Forschungsvorhaben des englischen Musikhistorikers Matthew Werley (Cambridge, derzeit Richard-Strauss-Institut Garmisch-Partenkirchen), das den Beziehungen zwischen Josef Weinheber und dem Komponisten Richard Strauss (1864–1949) in den vierziger Jahren nachspürt und hier eine Lücke in der Lebens- und Schaffensgeschichte beider Künstler schließen kann. Der Aufsatz wird unter dem Titel „Ach, wie hatten jene Zeiten Kraft“. Erinnerungskultur, Landschaft und Richard Straussʼ „Blick vom oberen Belvedere“ in dem Sammelband Richard Strauss – der Komponist und sein Werk. Überlieferung, Interpretation, Rezeption, herausgegeben von Sebastian Bolz und Hartmut Schick (München: Allierta Verlag), erscheinen.

Strauss hat nicht nur zwei Gedichte Weinhebers vertont („Blick vom oberen Belvedere“ und „Sankt Michael“, beide aus Anlass des 50. Geburtstags des Dichters, 1942). Für eines der letzten großen Kompositionsvorhaben von Strauss, die symphonische Dichtung „Die Donau“, hätte Weinhebers „Terzinen auf Wien“ (1940) gar eine Schlüsselrolle – als Chorvertonung im Finale – zukommen sollen. Leider blieb dieses Werk unvollendet. Am 27. 4. 1943 übersandte Weinheber Strauss eine weitere Dichtung, die „Symphonischen Beichte“ (im Mai 1942 entstanden, später aufgenommen in „Hier ist das Wort“, 1944/47), und bemerkte dazu: „Ich habe mir gedacht, dieses Gedicht könnte Ihnen vielleicht die Grundlage zu einem musikalischen Werke bieten, weil es sich mit der menschlichen Seele als Musik befaßt“ (Der Strom der Töne trug mich fort. Die Welt um Richard Strauss in Briefen. Hrg.: Franz Grasberger. Tutzing 1967, S. 416). Darauf antwortet das einzige Schreiben Straussʼ an Weinheber, das sich im Nachlass erhalten hat:

„Sehr verehrter lieber Herr Weinheber! Herzlichen Dank für Ihre schönen Dichtungen! Aber mit dem Componieren steht es schlecht. Meine arme Frau war recht krank, ist aber auf dem Wege der Genesung! Mit der ,Donauʻ u. ihren prächtigen Terzinen auf Wien willʼs gar nicht vorwärtsgehen! […]“ (8. 5. 1943).

Weinheber hat dem Tondichter zu dessen 80. Geburtstag im Jahr 1944 das Gedicht „Für Richard Strauss“ gewidmet (ebenfalls aufgenommen in „Hier ist das Wort“).

Ein zweiter, jüngst publizierter Aufsatz widmet sich „Im Grase“, einem der berühmtesten Gedichte Josef Weinhebers (enthalten in „Späte Krone“, 1936). Schon eine stattliche Reihe von Historikern und Literaturkundigen hat sich diesem Text interpretatorisch anzunähern versucht. Rainer Hillenbrand, Germanist an der Universität Pécs (Fünfkirchen, Ungarn), hat mit seiner Studie Weinhebers „Im Grase“ als poetische Erinnerung an das Vergessen eine sehr lesenswerte Deutung hinzugefügt. Positiv fällt schon der gelassene Duktus auf, der die gewisse Hysterie, welche die ideologiekritische Mode in den germanistischen Umgang mit Zeugnissen aus dieser Epoche eingeführt hat, nüchtern und entschieden vermeidet und den Text als Kunstwerk ernst nimmt. Vorurteile und Stereotype, die sich im Umgang der Germanistik mit Weinhebers Werk eingebürgert haben, werden unbefangen als das, was sie sind, benannt. Auch die Beobachtungen, die Hillenbrand zur Traditionsverortung des Weinheber-Textes anstellt, leuchten in vielen Fällen ein. Der Gedanke, das Gedicht von Sujet und Topik her vor dem Hintergrund von „Erinnerungswissen“ und „Gedächtnis“ zu erschließen, erscheint wirklich fruchtbar und berechtigt: sowohl was das Textgefüge, den Vorstellungsaufbau betrifft – wo Weinheber „formale Kunst mit sinnlicher Anschaulichkeit verbindet“ – als auch im Hinblick auf dessen „variierende und weiterführende“ Verzahnung mit der motivgeschichtlichen Überlieferung. Mancher bislang unbeachtete Hinweis, insbesondere auf mögliche Quellen aus dem Volks-, Kirchen- und Kunstliedschatz, ist bedenkenswert; frappierend z. B. der Bezug auf das Gedicht „Feldeinsamkeit“ von Hermann Allmers, bekannt durch die Vertonung von Johannes Brahms:

„Ich ruhe still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohnʼ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Die schönen, weißen Wolken ziehn dahin
Durchʼs tiefe Blau, wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin,
Und ziehe selig mit durch ewʼge Räume.“

Es geht, der Weinheberschen Kunstauffassung entsprechend, nicht darum, außergewöhnliche und neue Metaphern zu finden. In „Im Grase“ sind sie vielmehr „in hohem Maße traditionell. Originell aber ist ihre Kombination“, also die Art und Weise, wie der Dichter gestalterisch mit den vorgefundenen und übernommenen Sprachbildern verfährt, um eine ihm gemäße Symbolsituation zu entfalten. Der ideell-weltanschaulichen Deutung der im Gedicht gestalteten „Erlösung vom Leid des Bewußtseins durch Schlaf und Tod“, wie sie Hillenbrand unterbreitet, ist nachdrücklich zuzustimmen.

Die Studie ist in dem vom Verfasser selbst herausgegebenen Tagungsband Erinnerungskultur. Poetische, kulturelle und politische Erinnerungsphänomene in der deutschen Literatur („Pécser Studien zur Germanistik“, Bd. 7; Wien: Praesens Verlag 2015) enthalten. Wir hoffen, sie in einem der nächsten Bände unserer „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ für die Weinheber-Freunde nachdrucken zu können.

Daran lassen sich gleich ein paar Bemerkungen zu der aktuellen Publikationstätigkeit der Josef Weinheber-Gesellschaft anschließen: Im letzten Jahresbericht wurde bereits ein neuer Band unserer „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ angekündigt, in dem der Schwerpunkt auf den mit Weinheber verbundenen Dichter Hans Leifhelm gelegt werden soll. Im vergangenen Herbst, am 9. Oktober 2016, widmete sich auch unsere Kirchstettener Weinheber-Lesung dieser Dichterbeziehung. Frau Burgschauspielerin Ulli Fessl brachte lyrische und biographische Zeugnisse daraus zu Gehör, schloss aber auch andere Freundschaften und geistige Verwandtschaften mit ein: etwa Weinhebers Förderung des jungen Waldviertler Lyrikers Wilhelm Franke und die Spuren seiner Begeisterung für das Werk Johann Nestroys, die sich in „Wien wörtlich“ feststellen lassen. Hier bewies Frau Fessl ein weiteres Mal ihr großes komödiantisches Können und wusste sogar, gemeinsam mit Leopold Grossmann am Klavier, als Coupletinterpretin zu begeistern.

Nun haben wir uns entschlossen, den geplanten Leifhelm-Band zeitlich noch etwas zurückzuschieben. Das geschieht im Hinblick auf das heuer anstehende Jubiläum, die Feier des 125. Geburtstags Josef Weinhebers. Zu diesem Anlass wollen wir nämlich ein anderes Projekt vorziehen: eine neue Auswahl aus dem lyrischen Gesamtwerk Josef Weinhebers. Sie soll es ermöglichen, dass endlich wieder eine leicht zugängliche, überschaubare, aber trotzdem repräsentative Auslese der Lyrik des Dichters im Buchhandel verfügbar ist – als gediegener belletristischer Einstieg und Orientierungsbasis für jedermann. Zurzeit können ja außer den beiden humoristischen Werken, „Wien wörtlich“ (bei Otto Müller in Salzburg) und „O Mensch, gib acht“ (bei V.F. Sammler in Graz), nur mehr einzelne Bände der wissenschaftlichen Gesamtausgabe bezogen werden. Das geplante Buch, zusammengestellt und mit einem Nachwort sowie einer Zeittafel versehen von Christoph Fackelmann, soll diesem wenig befriedigenden Zustand Abhilfe schaffen.

Der Band mit dem Titel „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“ wird im Hauptteil, in zehn Gedichtkreise gegliedert, einen Eindruck vom gesamten künstlerischen Spektrum vermitteln, wie es sich in den einst so berühmten Konzeptsammlungen der zwanziger und dreißiger Jahre darbietet. Es werden also Proben enthalten sein von den formexperimentalen Gedichten, der lautsymbolischen Lyrik, den „architektonisch“ angelegten zyklischen Versuchen, den radikalen lyrischen Selbstbildnissen, den Gedichten, die musikalische Formensprache in Sprachkunst umzusetzen versuchen („Kammermusik“), dazu auch Beispiele der beißend zeitkritischen Versglossen sowie eine Auslese aus der satirisch-humoristischen Lyrik in Wiener Mundart und aus dem „erbaulichen Kalenderbuch für Stadt- und Landleut“.

Der zweite, kleinere Teil wird zum einen die so genannte „Gottsucher“-Lyrik, d. h. die zu Lebzeiten größtenteils unveröffentlichte, faszinierend „rebellische“ Erstlingslyrik (Zyklen wie „Der dunkle Weg“, „Einer, der mittrank“ etc.), in Auszügen vorstellen. Zum anderen wird auch der Problembereich der in politischem Auftrag geschriebenen Festgedichte aus der Spätzeit anhand dreier prominenter Beispiele dokumentiert: des Hymnus „Den Gefallenen“ für die Schuschnigg-Regierung, 1935, des „Hymnus auf die Heimkehr“ aus dem Frühjahr 1938 und des „Hymnus auf den Frontarbeiter“ für den „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“, 1940. Damit kann die Auswahl auch den immer wieder geführten geschichtspolitischen Debatten um die Rolle des Schriftstellers in den NS-Jahren eine entsprechend umsichtige Textbasis zur Hand geben, ebenso dem schulischen und akademischen Diskurs, der darauf Bezug nehmen möchte.

Das Buch wird in einem jungen, anspruchsvollen österreichischen Literaturverlag erscheinen und den Mitgliedern der Josef Weinheber-Gesellschaft als Jahresgabe überreicht werden. Da es aber erst für das Herbstprogramm des Buchjahres vorgesehen ist, müssen wir Sie noch um etwas Geduld bitten. Voraussichtlich wird sich an die Präsentation des Buches im Herbst dann auch eine würdige öffentliche Veranstaltung zur Feier des Gedenkjahrs anschließen. Darüber werden wir Sie noch gesondert informieren. Die Weinheber-Gesellschaft ist bemüht, diese und künftige Arbeitsvorhaben zur Erschließung von Werk, Nachlass und historischem Umfeld des Dichters wie bisher nach Kräften finanziell zu unterstützen. Unsere Mittel sind naturgemäß begrenzt, und das Gelingen unsere ambitionierten Pläne ist daher mehr denn je auf die großzügige Unterstützung und die bereitwillige Mitarbeit der Freunde des Dichters angewiesen! Wir stehen Ihnen als Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich an den Unterzeichneten (Kontaktadressen s. Briefkopf) oder an Herrn Dr. Christoph Fackelmann (E-Mail: christoph.fackelmann@aon.at; Telefon: +43 (0)676 5875347).

Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie übrigens nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse http://weinheberforum.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen und Aufführungen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: information@weinheber.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2017 mit

21,80 €

unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere gemeinsame Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können!

Ich wünsche Ihnen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2017 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen

Christian Weinheber-Janota e. h. (Präsident)

Jahresbericht 2015 / Programmausblick 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Das Jahr 2015 stand für die Freunde des Dichters Josef Weinheber unter dem Vorzeichen der 70. Wiederkehr des Todestages. Aus diesem Anlass führte die Josef Weinheber-Gesellschaft die Tradition der literarisch-musikalischen Matiniéen weiter und lud am 14. Juni 2015 in das Fleming’s Deluxe Hotel Wien-City in der Josefstadt. Unter dem Titel „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“ las Burgschauspielerin Helma Gautier aus späten Gedichten Josef Weinhebers sowie aus Erinnerungsgedichten von Ernst Waldinger, Josef Weber und Wystan H. Auden. Für das musikalische Programm sorgten Alexandra Bachtiar (Cello) und Arcola Clark (Harfe). Der Saal war so voll, dass sogar noch zusätzliche Sesselreihen herbeigeschafft werden mussten, um allen Gästen zu einem Sitzplatz zu verhelfen. Ein sehr schönes Zeichen für das Interesse an unserem Dichter, das auch widrigen „äußeren Bedingungen“ trotzt! Unser besonderer Dank gilt dem Direktor des Hauses, Herrn Martin Sperl, für die großartige Unterstützung.

Auch die regelmäßig durchgeführt Herbst-Lesung in der Weinheber-Gemeinde Kirchstetten fand heuer regen Zuspruch. Das von Ulli Fessl wie immer bravourös geleitete Programm am 11. Oktober 2015 stand diesmal unter dem Motto „Nimm, wo immer du seist, Dulder verwandter Qual …“, den Anfangsworten der Ode „An den Bruder“. Es beleuchtete die Beziehung Josef Weinhebers zu einigen Zeitgenossen, denen er besonderes Verständnis und wichtige Fürsprache verdankte. Dabei kamen Gedichte aus „Adel und Untergang“, „Zwischen Göttern und Dämonen“„Wien wörtlich“ und „O Mensch, gib acht“, aber auch Briefe, Rezensionen und Spottgedichte zum Vortrag. Unterstützt wurde Frau Fessl diesmal von Gottfried Riedl; die musikalische Begleitung lag in den bewährten Händen von Professor Leopold Grossmann.

Als außerordentliche Jahresgabe erhielten die Mitglieder der Josef Weinheber-Gesellschaft im „runden“ Jahr das erste Bändchen einer neuen Reihe, mit denen die Gesellschaft den Weinheber-Freunden in unregelmäßiger Folge Essays und Quellenmaterialien exklusiv zukommen lassen möchte. Es soll ausschließlich in Gestalt von Privatdrucken geschehen, wird also nicht im regulären Buchhandel zu beziehen sein. Den Anfang der nach dem Hölderlin-Motto zu „Zwischen Göttern und Dämonen“ „Contineri Minimo“ getauften Heftreihe machte eine Rede von Dr. Christoph Fackelmann zum Andenken des Lyrikers Josef Weinheber: „Rückkehr zu einem ,Spätling der Gestalter‘“ (1. Auflage April, 2. Auflage Juni 2015).

Die Buchreihe der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft“, die wir im LIT-Verlag, Wien–Berlin, beheimatet haben, soll hingegen in absehbarer Zeit ebenfalls eine Fortsetzung erfahren. Als nächster konkreter Schritt ist ein Band geplant, der schwerpunktmäßig dem Dichter Hans Leifhelm gewidmet sein soll. Dieser feiert heuer seinen 125. Geburtstag – er ist ein Jahr älter als Josef Weinheber, geboren am 2. 2. 1891 in Mönchengladbach –, und 2017 wird man seines 70. Todestags gedenken (gestorben am 1. 3. 1947 in Riva am Gardasee). Unser geplanter Sonderband möchte diese Anlässe „benützen“, um auf den vergessenen Autor aufmerksam zu machen, zumal es sich bei ihm um einen zeitweilig recht engen Weggefährten Josef Weinhebers handelt. Im Jahr 1931 führten die beiden einen intensiven Briefwechsel, es kam zu persönlichen Begegnungen, und man hielt auch danach noch Kontakt, wie Karten aus den Jahren 1936 und 1941 zeigen. Josef Weinheber trat u. a. mit der Einführung zu einer „Eigenvorlesung“ des befreundeten Lyrikers auf Radio Wien für diesen ein, und der schon etwas bekanntere Hans Leifhelm setzte sich seinerseits für Weinheber, der damals noch auf seinen großen Durchbruch wartete, bei einer Reihe von Zeitschriften- und Zeitungsredaktionen ein.

Bekannt ist die große Bewunderung, die Josef Weinheber für einzelne Gedichte – wenngleich keineswegs für das gesamte Schaffen – des damals in Graz lebenden westfälischen Dichters empfand. Diese Begeisterung gab auch den Impuls dafür, dass Weinheber am 28. April 1931 die Initiative ergriff und sich an Leifhelm wandte, um ihm

„[…] den großen Eindruck zu gestehen, den Ihr Gedicht ,Mit dem Sichelmond, mit dem Abendstern‘ […] auf mich gemacht hat. Ich stehe nicht an, Ihnen zu erklären, daß ich dieses Gedicht für das beste halte, das ich in deutscher Sprache seit 20 Jahren gelesen habe (und ich habe auch die Duineser Elegien und die George-Gedichte gelesen). Es ist eines der herrlichsten, edelsten, zauberhaftesten Sprachgebilde.

Ich selbst habe mich, und in einem weitaus ernsteren, würdigeren und adligeren Sinn als meine Zeitgenossen, die Gedichte schreiben, um die Gestaltgebung im Lyrischen Kunstwerk bemüht, bemühe mich darum 18 Jahre lang! Ich muß zugeben, daß mir ein ähnliches Gebilde zu formen nicht gelungen ist. Ich kenne Ihr Buch ,Hahnenschrei‘ und auch die Gedichte, die in der Liegler-Anthologie stehen sollten. Unter ihnen ist keines, das an dieses Zauberwerk heranreicht.

Erlauben Sie mir, daß ich Ihnen Glück wünsche für Ihren ferneren, inneren Weg. Sie sind für mich, dem es wie Wenigen um die Sache der Kunst geht, eine große Hoffnung, der Beginn einer edleren Zeit. […]“

Wer kennt noch das von Weinheber über die Maßen gepriesene Gedicht? So lautet die erste Strophe:

Auch im fremden Land, / Wo ich dir so fern, / Wo ich lange schon verschollen war, / Strahlt dein Angesicht / Mit dem Abendstern, / Weht am nächtigen Himmel hin dein Haar, / Tanzt dein schlanker Fuß / Mit dem Sichelmond, / Winkt mir lieblich deine weiße Hand, / Grüßt dein Lächeln mich, / Das im Lichte wohnt, / Süßer Trost im bittern Menschenland.

Die erhaltenen Briefe Josef Weinhebers an Hans Leifhelm befinden sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar. Dort hat Herr Mag. Ralf Gnosa die Abschrift aus dem allerersten Brief, woraus hier zitiert wurde, hergestellt und auch die anderen Stücke erschlossen. In dem geplanten Band soll neben dem Briefwechsel Weinheber-Leifhelm eine zweite Korrespondenz des Jubilars, jene mit dem Dichter Paul Ernst (1866–1933) enthalten sein. Sie stammt hauptsächlich aus den Jahren 1930–1933, als Paul Ernst, aus Elbingerode im Harz gebürtig, in St. Georgen a. d. Stiefing in der Südsteiermark, also in nächster Nähe zu Leifhelm, ansässig war. Zu diesen Briefen soll schließlich noch ein Essay des österreichischen Schriftstellers Felix Braun (1885–1973) treten, der ein aus langjähriger Freundschaft gespeistes Porträt Hans Leifhelms zeichnet. Herr Mag. Gnosa, den Lesern der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ schon durch seine Studie über „Josef Weber und Josef Weinheber“ (N.F. 2010/11/12) bekannt, wird sich als Mitherausgeber an der Zusammenstellung dieses Bandes beteiligen.

Von den kulturpolitischen Kalamitäten rund um Straßenbenennungen und Denkmäler für Josef Weinheber wollen wir diesmal weitgehend schweigen. Erwartungsgemäß dauerten sie auch im Jahr 2015 an und sorgten für manch unerfreuliche Schlagzeile. Es hat sich längst eingebürgert, tagespolitisches Kapital daraus zu schlagen, dass man den plumpen „Nazi-Dichter“-Vorwurf gegen Josef Weinheber in den Raum stellt. Auch für die eigene Karriere der Kampagnisierer lässt sich aus solchen Verunglimpfungsstrategien leider immer noch tüchtig profitieren. Siehe das Geschehen während des vergangenen Sommers: Da hatte man es einer „Aktionskünstlerin“ verwehrt, eine Installation, mit der sie mahnend an die in den dreißiger Jahren bei Kirchstetten siedelnden Roma und Sinti und deren Deportation während der NS-Zeit erinnern wollte, in der Ortschaft aufzustellen. Daraufhin zettelte sie dort einen Protestmarsch gegen die vermeintlich einseitige Gedenkkultur der Dichter-Gemeinde an („die romantisierende Verehrung von NS-Poet und ,Dichterfürst‘ Josef Weinheber [sic!]“). Sie zog damit – allerdings von nicht mehr als einem Häufchen Getreuer begleitet – bis vor das Landhaus der Familie Weinheber-Janota und schaffte es mit ihren Vorwürfen während des „Sommerlochs“ sogar in die Fernsehnachrichten des ORF. Es war der offensichtliche Versuch, die Gemeinde mit Hilfe der inhaltlich völlig unzusammenhängenden Causa Weinheber in eigener Sache zu erpressen.

Genauere Begründungen, differenzierte Argumentation oder gar Bemühungen um tieferes Verständnis kann man in den öffentlichen, medial ausgeschlachteten „Debatten“ nicht mehr erwarten. Man kann jedoch einzelne besonnene Gegengewichte setzen. Für das Frühjahr 2016 ist von Seiten der Weinheber-Gesellschaft geplant, gemeinsam mit der Gemeinde Kirchstetten eine neue Informationstafel im öffentlichen Raum zu errichten, die durch profunde Angaben und verständnisvolle Gewichtung beispielhaft zeigen soll, wie man in angemessener Verantwortung mit der Erscheinung dieses Dichters aus bewegter Zeit umgehen kann.

Noch eine letzte Anmerkung in anderer, erfreulicherer Angelegenheit: Immer wieder werden der Weinheber-Gesellschaft kleinere und größere Bücherspenden aus der Weinheber-Literatur zugedacht. Wir nehmen diese gerne entgegen und sind dankbar dafür. Da aber unter den Konvoluten meist zahlreiche Bücher sind, die die Gesellschaft schon besitzt, möchten wir Duplikate gerne an Interessenten aus unserem Mitglieder- und Freundeskreis weitergeben – selbstverständlich kostenlos (allenfalls gegen eine kleine Spende an die Gesellschaft). Derzeit liegt u. a. eine Anzahl von Erstausgaben der Sammlung „Dokumente des Herzens“ – der letzten von Weinheber selbst betreuten Auswahl aus seinem Gesamtwerk, 1944 erschienen – vor. Aber auch andere Werke aus der Primär- und Sekundärliteratur sind zu vergeben. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Herrn Dr. Christoph Fackelmann (Tel.: +43 2233 57454; E-Mail: fackelmann@weinheber.at)!

Wie immer gilt: Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse http://weinheberforum.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen und Aufführungen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: information@weinheber.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2016 mit 21,80 € unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere gemeinsame Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können!

Im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft wünsche ich Ihnen ein gutes und glückliches Jahr 2016 und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

Christian Weinheber-Janota (Präsident)

Jahresbericht 2014 / Programmausblick 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Im vergangen Jahr konnten wir Ihnen einen neuen, umfangreichen Band unserer Schriftenreihe, der Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe, vorlegen, und an der Zusammenstellung des nächsten Bandes wird bereits gearbeitet. Auch neue Quellenfunde gilt es dabei wieder zu dokumentieren. War es zuletzt vor allem die Erstveröffentlichung des Briefwechsels zwischen Josef Weinheber und Erwin Guido Kolbenheyer, die wir verwirklichen konnten, so steht nun u. a. eine bemerkenswerte Entdeckung zur Bearbeitung an, die Weinhebers Austausch mit dem Schriftsteller Otto Forst de Battaglia (1889-1965) erhellt. In den Jahren 1935 und 1936 machte dieser heute leider weitgehend vergessene Universalgelehrte mit österreichischen, polnischen und jüdischen Wurzeln und katholisch-konservativem Weltbild in mehreren Aufsätzen für ausländische Zeitschriften und Zeitungen auf Adel und Untergang und Wien wörtlich aufmerksam, so etwa in La Cité Chrétienne (Brüssel), La Vie Intellectuelle (Paris) Pion (Warschau), Books abroad (University of Oklahoma, USA). Forst-Battaglia rühmte die Kunst der Weinheberschen Lyrik in hohen Tönen, übte aber auch Kritik an dem vermeintlichen Naheverhältnis des Dichters zum nationalsozialistischen Deutschland. Weinheber selbst bekundete in einem Brief, den uns der Enkel und Nachlassverwalter, der österreichische Diplomat Direktor Dr. Jakub Forst-Battaglia, zur Verfügung stellte, eindrucksvoll seine unabhängige Geistigkeit, wenn er sie auch damals noch mit trügerischen Zukunftshoffnungen verband. Er schreibt u. a.:

„[…] Ihre knappe, aber so sachkundige Analyse meines Buches hat mir, mit den einigen anderen Stimmen aus der Welt, die sich jetzt bezeugend und begeistert zu mir finden, die Gewähr gegeben, daß mein Werk nicht untergehen wird. Es hat mich ergriffen, daß Sie sich gewissermaßen entschuldigen, weil Sie in Deutschland nichts für mich tun können, wo Sie in Ihrem Briefe doch so viele Möglichkeiten erörtern, meine Sache zu fördern. Dabei ist es doch heute so wichtig, daß die nichtdeutsche Welt von jener deutschen untergründigen Dichtung erfahre, die sich nicht wie die zeitgemäße in Führerromanen und Bauerngedichten erschöpft. […] Sie werden wohl begreifen, daß ein Mensch wie ich, der sich seit zweiundzwanzig Jahren mit dem Problem der sprachlichen Gestaltung herumschlägt, im deutschen Gegenwartsroman […] nicht gerade die dichterische Erfüllung sieht. […] An meiner literarischen Wiege ist, soweit es das Sprachgewissen betrifft, Karl Kraus Pate gestanden. Man wird nur ein wenig warten müssen, und es wird sich auch in Deutschland der reine Wert gegenüber dem Gesinnungspofel durchsetzen. Das dauert ja immer seine Zeit. Was wäre denn das für ein Wert, wenn er sofort und für jeden Commis auf der Hand läge. Ich warte schon so lange auf meine Zeit, und sie kommt nicht. Deshalb habe ich keinen Augenblick gezögert, das zu tun, was ich für notwendig halte. […]“ (7. November 1934)

Die Lage hat sich bis heute nicht so substantiell gebessert, wie es die zunehmende zeitliche Distanz erwarten ließe. Ganz im Gegenteil: Nach einer Phase wachsenden Verständnisses in den Nachkriegsjahrzehnten besteht heute noch weniger als zu Lebzeiten des Dichters die Bereitschaft und das Vermögen, angemessene geistige und künstlerische Maßstäbe an die Gestalt Josef Weinhebers anzulegen. Medien und Kulturpolitik ergötzen sich unterdessen auch noch beim sechzigsten oder siebzigsten Male daran, im einstmals berühmten Dichter den „Nazi“ zu entlarven, und selbst die Wissenschaft zieht es inzwischen vor, dieses Stereotyp zu reproduzieren, wie es zuletzt der mittlerweile auch in Buchform erschienene Bericht der sog. „Rathkolb-Kommission“ über politisch fragwürdige Wiener Straßenbenennungen zeigte. Was man hier immer von neuem als geschichtspolitische Aufklärungstat verkaufen möchte – ohne die dabei seit langem vorliegenden und bekannten Details wirklich zu überblicken und richtig einschätzen zu können –, das verschüttet den Zugang zum Werk, zum Eigentlichen des Dichters. Dabei handelt es sich hier um ein Werk, in dem jemand einen unabhängigen, freilich zutiefst tragischen Humanismus und eine fundamentale Distanz zum Zeitgeist der Epoche totalitärer Gewalt unter Beweis stellte wie kaum ein zweiter unter den in der „Ostmark“ verbliebenen und nach 1938 fortgesetzt publizierenden Schriftstellern (Zwischen Göttern und Dämonen, 1938; Kammermusik, 1939; Dokumente des Herzens, 1944; Hier ist das Wort, 1944/47).

Es ist inzwischen beinahe zur Gewohnheit in unserer oberflächlichen Mediengesellschaft geworden, Geschichte nur noch entlang von „Jubiläen“ zu betrachten. In immer engeren Abständen begeht man mit viel Aufregung und großem erzieherischen Aplomb diese „Gedenkjahre“; alle zehn, ja alle fünf Jahre bereits „kehren“ vor allem die Schreckenszäsuren der jüngeren Geschichte „wieder“. Im letzten Jahr ging es um den Beginn des Ersten Weltkriegs, heuer steht wieder einmal die Erinnerung an das Kriegsende 1945 auf dem Programm. Während Weinheber wie nur ganz wenige der österreichischen Schriftsteller seiner Generation von jenem ersten verhängnisvollen Ereignis des Zwanzigsten Jahrhunderts beinahe unberührt geblieben zu sein scheint, so fällt das zweite nicht nur durch zeitliche Koinzidenz, sondern auch durch innere Kausalverbindungen mit seinem eigenen Tod zusammen. Im Frühjahr 1945 nahm der durch die Zerstörungswut des Krieges und das Rasen der Unmenschlichkeit heillos verstörte Mann eine tödliche Dosis Morphium zu sich.

Die Josef Weinheber-Gesellschaft möchte dieses 70. Jahr nach dem Heimgang des Dichters nicht zu einem großen Gedächtnis-„Event“ stilisieren. Aber in der Nachfolge der auf viel Zustimmung gestoßenen Matinée mit Verena Noll vom 17. Februar 2013 („In jeder Welt aus Schein und Gram und Zahl / hab ich mich immer zu mir selbst bekannt.“ Große österreichische Lyrik von Josef Weinheber bis Ingeborg Bachmann) möchte sie es zum Anlass nehmen, Weinheber in einer weiteren Wiener Lesung künstlerisch einem breiteren Publikum näher zu bringen. Einladungen zu dieser Frühlingsveranstaltung, bei der diesmal die beliebte Burgschauspielerin Helma Gautier Weinheber interpretieren wird, werden gesondert an Sie ergehen.

In Anbetracht des Anlasses soll die Lesung diesmal den reichen Schätzen der späten Lyrik zugewandt sein. Sie soll außerdem Gedichte in Erinnerung rufen, die für oder über Josef Weinheber geschrieben wurden, wie etwa die schöne Elegie auf den Tod des Dichters von Josef Weber, die in der letzten Jahresgabe veröffentlicht werden konnte, oder Widmungsgedichte von Friedrich Sacher und Wilhelm Franke, und nicht zuletzt jenes großartige Gedicht, das Weinhebers posthumer Nachbar in Kirchstetten, der bedeutende englische Autor Wystan Hugh Auden, ihm nachsandte. Auch Auden, dessen einstige Wohnstatt in Kirchstetten jüngst mit viel Aufwand neu in Szene gesetzt wurde, erwähnt die politischen Verwerfungen, die ihn, der auf kommunistischer Seite im spanischen Bürgerkrieg gekämpft und Erika Mann in der Emigration durch eine Scheinehe zur englischen Staatsbürgerschaft verholfen hatte, vom Verstorbenen trennten; aber er tut es mit hoher Sensibilität: „[…] Yes, yes, it has to be said: / men of great damage / and malengine took you up. / Did they for long, though, / take you in, who to Goebbels’ / offer of culture / countered – in Ruah lossen? / But Rag, Tag, Bobtail / prefer a stink, and the young / condemn you unread. […]“ („Ja, ja, es muß gesagt werden: / Männer großen Unheils / und Übelwollens nahmen sich deiner an. / Doch für wie lange / wickelten sie dich ein, dich, / der auf Goebbels’ Kulturangebot, / entgegnete: in Ruah lossen? / Aber Krethi und Plethi / ziehen Skandale vor, und die Jungen / verdammen dich ungelesen.“) Und wie behutsam und vornehm gibt er sich, abermals Weinheber zitierend, Rechenschaft über die künstlerische Bedeutung dessen, dem er sich über die Gräben hinweg seelenverwandt fühlt: „[…] I would respect you also, / Neighbour and Colleague, / for even my English ear / gets in your German / the workmanship an the note / of one who was graced / to hear the viols playing / on the impaled green, / committed thereafter den / Abgrund zu nennen.“ („Doch möchte auch dich ich ehren, / Kollege und Nachbar, / denn selbst mein englisches Ohr / entdeckt in deinem Deutsch / die Meisterschaft und den Tonfall / eines, dem es vergönnt war, / das Spiel der Bratschen / auf umzäuntem Rasen zu hören, / und dem es später oblag, den / Abgrund zu nennen.“ [Übersetzung v. Herbert Heckmann]) In einem wenige Jahre vor seinem Tod geführten Gespräch unterstrich Auden, der mit der deutschen Lyrik gut vertraut war und sich ihr auch als Übersetzer angenähert hatte, seine Haltung: „[…] ich liebe Weinheber sehr, den die Deutschen vergessen oder, wie soll ich sagen, verdrängt haben“ (Süddeutsche Zeitung, 24./25. 9. 1983).

All das Aufsehen, das der aktionistische Wirbel um das Denkmal am Wiener Schillerplatz und den Ottakringer Weinheber-Platz ein ums andere Mal hervorzurufen versteht, soll indes nicht vergessen lassen, dass auch in unseren Tagen sehr verdienstvolle Taten der Weinheber-Pflege gesetzt werden. So ließ vom 28. Mai bis zum 14. Juni des vergangenen Jahres der Döblinger Heimatpfleger und Lokalhistoriker Wolfgang E. Schulz (www.döbling.com) auf eigene Initiative die in Josefsdorf auf dem Kahlenberg angebrachte Gedenktafel für Josef Weinheber einer Reinigung und Wiederherstellung der verblassten Gravur unterziehen. Der 1964 von der Weinheber-Gesellschaft auf der damals neuen Terrasse des Kahlenberges errichtete Dichterstein trägt als Inschrift berühmte Verse aus dem Lob der Heimat: „Doch den Kranz der Heimat gebt mir Wien, / lobt mir diese Stadt! […]“. Durch Verwahrlosung und Vandalismusakte war er in der letzten Zeit arg in Mitleidenschaft gezogen worden; nun erstrahlt er dank der Unternehmung von Wolfgang Schulz und der Arbeit des Restaurators Philipp Hauser in neuem Glanz (Döblinger Extrablatt Nr. 7, Herbst 2014).

Zuletzt soll noch auf eine bemerkenswerte archivarische Leistung hingewiesen werden: Dr. Volker Jehle, der Nachfahre der Württembergischen Musikverleger Johannes Jehle und Martin Friedrich Jehle, hat die musikhistorische Sammlung seines Hauses im Stauffenberg-Schloss Albstadt-Lautlingen bestandsmäßig aufgearbeitet und digital erfasst. Dieses Verzeichnis, das bereits in 2. Auflage vorliegt, kann unter der Netzadresse http://www.sammlungjehle.com eingesehen werden. Für die Weinheber-Freunde ist es deshalb interessant, weil darin auch eine bei Jehle erschienene, reichlich seltene Vertonung aus Josef Weinhebers Kalenderbuch O Mensch gib acht dokumentiert ist: der Liederzyklus Das Jahr, den der mit dem Wiener Dichter befreundete junge Komponist Georg Krietsch 1939 in Druck gab. Auch die zu dieser Publikation gehörige Titelgraphik Hans Geißlers befindet sich hier.

Übrigens: Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse https://weinheberforum.wordpress.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen und Aufführungen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: information@weinheber.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2015 mit 21,80 € unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere gemeinsame Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können.

Im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft wünsche ich Ihnen ein gutes und glückliches Jahr 2015 und verbleibe

mit herzlichen Grüßen

Christian Weinheber-Janota e. h. (Präsident)