Jahresbericht 2013 / Programmausblick 2014

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Der im letzten Jahresbericht angekündigte aktuelle Band unserer neu belebten Schriftenreihe, der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft“, ist erschienen. Im vergangenen Jahr konnte die Arbeit an dieser umfangreichen Sammlung von Aufsätzen und Editionen abgeschlossen werden. Wir freuen uns, Ihnen das fertige Buch in Verbindung mit diesem Schreiben bereits vorlegen zu können. Wie immer erhalten alle Mitglieder der Josef Weinheber-Gesellschaft ein Freiexemplar. Sie haben durch Ihren Mitgliedsbeitrag mitgeholfen, die kostspielige Drucklegung zu ermöglichen. Da wir bei unseren Publikationen ganz ohne Subventionen von öffentlicher Hand auskommen müssen, sind wir für Zuwendungen, die über den Mitgliedsbeitrag hinausgehen, freilich gerade im Hinblick auf solche Projekte sehr dankbar!

Der über 300 Seiten starke Dreifachjahrgang unserer Schriftenreihe möchte ein kräftiges Zeichen setzen, das für eine sachgerechte, sowohl von Sympathie als auch von kritischem Interesse und Differenzierungsvermögen getragene Befassung mit Josef Weinheber und dessen Epoche steht. Sie finden in dem Buch eine Reihe von literarhistorischen Darstellungen und Analysen, die sowohl Josef Weinheber selbst als auch „benachbarten“ Schriftstellern und dem literarischen Leben seiner bewegten Zeit gelten. Darüber hinaus aber bietet der Band auch Einsichten in wertvolle und aufschlussreiche Originalquellen, die zuvor noch nie das Licht der Öffentlichkeit erblickten. So ist etwa ein großer Abschnitt dem Briefwechsel gewidmet, den Weinheber mit einem faszinierenden Zeitgenossen, dem einzelgängerischen Dichterphilosophen Erwin Guido Kolbenheyer, führte. Weiters ist eine kleine Skizze zu finden, in der der Militärtierarzt Franz Huber die Erinnerungen an seine während des Krieges, vermutlich 1943, erfolgte Begegnung mit Josef Weinheber festhielt. Zum Andenken an das vor wenigen Jahren verstorbene Ehrenmitglied Friedrich Jenaczek ist ein umfangreicher Brieftraktat aufgenommen, den der große Weinheber-Philologe an den nach Jerusalem emigrierten Schriftsteller und Literaturgelehrten Werner Kraft richtete. Darin entfaltete er bereits 1963 die Grundzüge jener tief schürfenden Auseinandersetzung mit dem Werk Weinhebers (und Karl Kraus’), die ihn sein Leben lang begleiten sollte. Nicht zuletzt sei in diesem Zusammenhang noch auf ein besonderes Fundstück hingewiesen, das die neue „Jahresgabe“ bereithält: Es ist ein bisher unbekanntes, ergreifendes Totengedicht auf Josef Weinheber, das der niederösterreichische Arzt und Dichter Josef Weber-Wenzlitzke – nicht nur ein Jahrgangsgenosse, der mit dem berühmten Lyriker aus Kirchstetten persönlichen Umgang pflegte, sondern in manchem auch ein Seelenverwandter – kurz nach dem Ende des Krieges verfasste. Eine Niederschrift gelangte über den Antiquariatshandel glücklich in die Hände Ralf Gnosas, des Geschäftsführers der Paul Ernst-Gesellschaft, der uns in seinem Beitrag das Gedicht und den Autor Josef Weber näher bringt.

Ein Anhang zu dem neuen Band dokumentiert eine weniger erfreuliche Entwicklung, die uns durch das vergangene Jahr begleitete: die Kampagne gegen das Denkmal für Josef Weinheber, das 1975 von der Weinheber-Gesellschaft auf dem Schillerplatz bei der Akademie der bildenden Künste in Wien errichtet worden war. Im Sommer 2013 eskalierte der schon länger flackernde Streit, als eine Gruppe „antifaschistischer“ Kunststudenten den Sockel des Denkmals zum Zwecke einer „künstlerischen Intervention“ mutwillig bloßlegten. Sie wollten damit auf ihre an dem „Nazi-Dichter“ Josef Weinheber festgemachten „geschichtspolitischen“ Forderungen aufmerksam machen und einen radikaleren Umgang Wiens mit vermeintlichen Spuren unbewältigter Vergangenheit bewirken. Manche Medien nützten die erklärtermaßen widerrechtlich erfolgte, von der zuständigen Behörde selbstverständlich nicht genehmigte Nacht- und Nebel-Aktion, um die Aufregung zu schüren; einige Prominente und sogar ein Teil der Stadtverantwortlichen solidarisierte sich mit den Kulturkämpfern. Etwa zur gleichen Zeit präsentierte eine von der Stadt eingesetzte Projektgruppe um den Zeithistoriker Oliver Rathkolb unter großem medialen Aufsehen ihren Bericht über jene Straßenbenennungen Wiens, die aus ihrer Sicht in „geschichtspolitischer“ Verantwortung zu hinterfragen seien. Auch dabei geriet u. a. Josef Weinheber – nach dem ein unscheinbarer Platz in seinem Heimatbezirk Ottakring benannt ist – in den Fokus der Kritik.

Die Weinheber-Gesellschaft sah sich angesichts dieser Zuspitzungen zum Einschreiten genötigt. Die Zeugnisse ihrer Intervention sind im vorliegenden Band, gemeinsam mit einer Stellungnahme aus Anlass eines früheren Aufflammens der Denkmalsturz-Kampagne, abgedruckt. Ihr Offener Brief an den zuständigen Kulturstadtrat brachte in Verbindung mit einer energischen Fürsprache der Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Ursula Stenzel, im Frühherbst 2013 erste Gespräche mit dem Büro des amtsführenden Stadtrats für Kultur und Wissenschaft, Dr. Andreas Mailath-Pokorny. Dessen zuständige Mitarbeiter äußerten Bedauern über die voreilige Solidaritätsadresse des Stadtrats zugunsten des als Kunst verbrämten Vandalismusaktes. Man gestand auch ein, sich vor den einschlägigen Presseerklärungen nicht über Herkunfts- und Besitzverhältnisse des Denkmals orientiert zu haben. Den Vertretern der Weinheber-Gesellschaft sicherte man nun zu, künftig keinerlei Entscheidungen und Maßnahmen in der Sache des Denkmals am Schillerplatz ohne Einbindung des Stifters und Errichters zu unterstützen oder zu betreiben.

Zugleich machte man aber klar, dass die Absicht der Stadtregierung aufrecht bleibe, das Denkmal einer „kritisch kontextualisierenden“ Adaption zu unterziehen, sei es bloß durch Errichtung einer erläuternden „Zusatzttafel“, sei es im Zuge des Programms „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR), also durch eine weitere, womöglich dauerhafte „künstlerische Intervention“. Die Vertreter der Weinheber-Gesellschaft äußerten ihre grundsätzliche Diskussionsbereitschaft und erklärten sich willens, an einer von Verständnis und Sachverstand getragenen Lösung des Konflikts mitzuarbeiten. Sie stellten jedoch ihrerseits klar, dass aus ihrer Sicht nicht daran zu denken sei, das Denkmal dazu zur Verfügung zu stellen, dass sich an ihm in plakativer Weise der zeitgeistige Vergangenheitsbewältigungsfuror austoben könne, sodass alles darauf hinausliefe, an Weinheber ein politisches Exempel in eigener Sache zu statuieren. Den Überlegungen, das Monument in das städtische „KÖR“-Programm einzubeziehen, stehen wir in Anbetracht dessen skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Hingegen wurde noch im Herbst ein von der Gesellschaft erarbeiteter erster Entwurf für eine Inschrift, die auf einer etwaigen separaten Informationstafel auf der Grünfläche neben dem Denkmal anzubringen wäre, den Referenten des Stadtrats vorgelegt. Die von deren Seite angekündigten weiterführenden Gespräche haben bis jetzt allerdings nicht stattgefunden. Unser Textvorschlag bemüht sich vor allem um sachgerechte Abwägung. Er muss versuchen, einerseits unser eigentliches Interesse, die gesamtheitliche Perspektive auf den heute ja kaum noch bekannten Dichter, zu wahren und andererseits die politisch-historische Problematik, um die es den Vertretern der Stadtregierung geht, auf den Punkt zu bringen, und zwar so, dass es mit der unbedingt gebotenen Umsicht geschieht. Die schwierigen und vielschichtigen Verhältnisse sind ja gerade nicht an einem Schwarz-Weiß-Schema festzumachen und in wenigen Sätzen entsprechend schwer zu vermitteln:

Josef Weinheber, geboren am 9. 3. 1892, gestorben am 8. 4. 1945, ehemaliger Waisenhauszögling aus der Wiener Vorstadt Ottakring, entwickelte seit Anfang der zwanziger Jahre seine Poetik des „reinen Gedichts“. Seine lyrischen Hauptwerke standen im Zeichen eines an Karl Kraus geschulten „Sprachgewissens“ und knüpften an den „Zeitkampf“ der „Fackel“ an („Adel und Untergang“, 1934, „Späte Krone“, 1936). In seiner beliebten Sammlung „Wien wörtlich“ (1935) entwarf Weinheber in der Tradition Nestroys ein lyrisches Porträt der Stadt, ihrer Typen, Landschaften und Szenerien. Dem radikalen Formbewusstsein entsprach das Bekenntnis zu einem tragischen Humanismus: Durch Sprache wird der Mensch „eine geistige Wirklichkeit“; Kunst in sprachvergessener, tatberauschter Zeit ist „Dienst im aufgelösten Heiligtume“.

Anfang der 1930er Jahre sympathisierte Weinheber mit einer „nationalen Revolution“, von der er sich vor allem kulturpolitisch die Überwindung des verachteten Systems erhoffte. Er war zeitweilig Mitglied der NSDAP und engagierte sich bei dem Versuch, österreichische Schriftsteller in deren Umfeld zu versammeln. Obzwar rasch ernüchtert, von der völkischen Ideologie und deren literarischer Doktrin („Blut und Boden“) abgestoßen, löste er sich doch zeitlebens nicht mehr von diesem Lager. In seinen Büchern blieb er kompromisslos und stellte dem „grässlichen Herrn der Erde“ sein Ideal vom „Menschen der Mitte“ entgegen. Dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland im März 1938 begegnete Weinheber bereits mit Ablehnung, über den Verlauf zeigte er sich entsetzt. Von äußeren und inneren Zwängen genötigt, fand er sich danach dennoch immer wieder bereit, Auftragstexte zu offiziellen politischen Anlässen zu verfassen („Hymnus auf die Heimkehr“, 1938, „Wien an den Führer“, 1943, etc.). Er ließ sich ehren und feiern.

Trotzdem empfand er seinen späten Ruhm von Anfang an als „Mißverständnis“: „Ich mußte, seitdem ich berühmt bin, dem Mob aller Schattierungen meinen Tribut zahlen. Gleichwohl weiß ich um meine Substanz. Sie ist umschrieben mit: Einsamkeit, Urangst, Frömmigkeit.“ Seine letzten Gedichtzyklen („Zwischen Göttern und Dämonen“, 1938, „Kammermusik“, 1939, „Hier ist das Wort“, postum 1947) betonen den Widerspruch zu jener Welt. Sie bezeugen eine unabhängige menschliche und künstlerische Haltung sowie eine ebenso zeit- wie selbstkritische Geistigkeit. Josef Weinheber starb, zerrüttet und verzweifelt, an einer Überdosis Morphium.

Es sollte allen Freunden Josef Weinhebers und ganz besonders den Mitgliedern und Mitwirkenden in der Josef Weinheber-Gesellschaft ein dringendes Anliegen sein, für das Verständnis einzutreten, das Werk und Persönlichkeit unseres Dichters verdienen, das diesen aber in einer auf Schlagwörter und Klischees konzentrierten Öffentlichkeit zusehends verweigert wird. Unterstützen Sie daher bitte unsere Bemühungen um Aufklärung und kompetente Einflussnahme auch in dieser bedauerlichen Angelegenheit!

In diesem Sinne dürfen wir das an den Schluss des letzten Jahresrundbriefs gestellte Bekenntnis wiederholen: Wir wollen gemeinsam, aber auch jeder für sich mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten für eine erweiterte Wertschätzung und vertiefte Kenntnis der Gestalt unseres Dichters eintreten! Auch heuer sei daran der Hinweis geknüpft: Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse https://weinheberforum.wordpress.com erreichen. Dort finden Sie nicht nur die von der Weinheber-Gesellschaft selbst gestalteten Programmpunkte und alle unsere Mitteilungen laufend angezeigt, sondern auch Hinweise auf verschiedene Veranstaltungen aus den erweiterten Kreisen der Weinheber-Pflege. Gerne können Sie uns zu diesem Zweck auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen oder Aufführungen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: information@weinheber.at)!

Zu guter Letzt dürfen wir um Überweisung des Mitgliedsbeitrages bitten, der auch für 2014 mit € 21,90 unverändert bleibt. Für jede Überzahlung oder Spende sind wir, wie anfangs erwähnt, überaus dankbar. Bankdaten: IBAN: AT 736 000 000 007 777 752, BIC: OPSKATWW (Josef Weinheber-Gesellschaft, Kirchstetten).

Mit lieben Grüßen

Christian Weinheber-Janota e. h. (Präsident)

Jahresbericht 2012 / Programmausblick 2013

Kirchstetten, im Februar 2013

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Die letzten Monate des vergangenen Jahres brachten die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches aller Freunde des Dichters Josef Weinheber: In dankenswerter Kooperation mit der Kolbenheyer-Gesellschaft e. V. und dem Kobenheyer-Archiv in Geretsried bei München gelang es, den Briefwechsel zwischen Josef Weinheber und Erwin Guido Kolbenheyer in seiner erhaltenen Form vollständig für den Druck zusammenzuführen und vorzubereiten. Die Freundschaft mit Kolbenheyer – dessen Todestag sich im April 2012 zum fünfzigsten Mal jährte – ist für Weinheber von großer Bedeutung. Unter den Dichtern, die bei seinem Münchener Verlag Langen-Müller Weinhebers Kollegen wurden, stand ihm neben dem Niederdeutschen Moritz Jahn der in Budapest geborene, in Wien zum Schriftsteller gereifte Kolbenheyer menschlich wohl am nächsten. Der Briefwechsel hebt im Herbst 1934 an und dauert fort bis in das Jahr 1945. Diese wichtigen, aussagekräftigen Quellen – sie wurden in der Nadlerschen Briefausgabe schmerzlich vermißt – können wir unseren Mitgliedern und Freunden dank der Zusammenarbeit mit der Kolbenheyer-Gesellschaft nun endlich zur Kenntnis bringen. Der neue Band unserer Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe, der derzeit vorbereitet wird, soll dazu das geeignete Forum bilden.

Aber auch sonst wird dieses Buch hoffentlich Ihr Interesse finden. Unter anderem stellen wir darin, ausgehend von dem schönen Fund eines Erinnerungsgedichtes für Josef Weinheber, den vergessenen niederösterreichischen Dichter Josef Weber(-Wenzlitzke, 1892–1969) vor (Ralf Gnosa, Mönchengladbach). Von Beruf Arzt, trat Weber vor allem mit einem großen Roman über den Anatomen und Humanisten Andreas Vesalius („Die Verwandlung des Vesal“, 1943) hervor. Er hinterließ aber auch als Lyriker ein durchaus bedeutendes Werk, das bis heute keineswegs gebührend erschlossen ist. In den späten dreißiger und in den vierziger Jahren hatte Weber mit Weinheber auch persönlichen Umgang. – Ein weiterer Beitrag bringt uns in Anknüpfung an die angekündigte Briefedition E. G. Kolbenheyer selbst als Dichter und Denker näher (Alexander Martin Pfleger, Glattbach). – Außerdem wird sich die neue Ausgabe unserer Publikationsreihe mit Begriff und Geschichte der „Konservativen Revolution“ auf literarischem Gebiet befassen (Christoph Fackelmann, Wien, u. Dirk Herrmann, Dresden). Dieses Thema trägt dazu bei, die Epoche Josef Weinhebers im Hinblick auf dessen ideengeschichtlichen Hintergrund besser zu verstehen. Die nationalkonservativen Strömungen der Zwischenkriegszeit finden unter dieser Formel nicht nur politisch, sondern auch literarisch-künstlerisch zusammen.

Der neue Band, der wieder im LIT Verlag, Wien-Berlin-Münster, erscheinen wird, soll unsere Mitglieder um die Mitte des Jahres erreichen. Sein Bezug ist wie bisher im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Die Kosten für den Druck sowie für Planung und Vorbereitung – zu all dem stehen uns leider keinerlei Subventionen von öffentlicher Seite mehr zur Verfügung – sind nicht zu unterschätzen. Für jede zusätzliche Unterstützungsleistung aus den Reihen der Mitglieder und Freunde ist die Gesellschaft daher sehr dankbar!

Das neue Jahresprogramm hat mit einem großen Ereignis begonnen. Unter dem Titel „,In jeder Welt aus Schein und Gram und Zahl / hab ich mich immer zu mir selbst bekannt. Große österreichische Lyrik von Josef Weinheber bis Ingeborg Bachmann“ lud die Josef Weinheber-Gesellschaft am 17. Februar 2013 (11 Uhr)  gemeinsam mit der Österreichischen Goethe-Gesellschaft und dem Verein „Muttersprache“ zur Literarischen Matinée in den Historischen Ballsaal des Parkhotels Schönbrunn, Wien-Hietzing. Nach 2011 stand zum zweiten Mal die junge Leipziger Schauspielerin Verena Noll, eine gebürtige Wienerin, mit einem Weinheber-Programm auf der Bühne. Diesmal spannte sie den Bogen bis in die fünfziger und sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts und präsentierte neben Weinhebers „Kammermusik“ lyrische Texte von Paula Ludwig, Christine Busta, Ingeborg Bachmann und anderen aus der jüngsten Generation der Klassischen Moderne in Österreich. Eine Einladung mit Programm erreichte unsere Mitglieder mit gesonderter Post.

Schon am 11. Jänner 2013 hatte ein Vortrag in ehrwürdigen Alten Rathaus von Linz mit Hilfe vieler Lichtbilder die zentrale Beziehung zwischen Josef Weinheber und Gerda Janota einem zahlreich erschienenen, sehr interessierten Publikum erhellt („,Ich habe zu Deiner Art jenes Vertrauen, das man zur Heimat hat. Josef Weinheber und Gerda Janota – eine Liebesbeziehung“, Vortrag von Dr. Christoph Fackelmann, veranstaltet gemeinsam mit dem Klub Austria Superior und dem Verein „Muttersprache“). Gerda Janota entstammte bekanntlich einem alteingesessenen Bürgerhaus aus Linz-Urfahr. Die Veranstaltung, die nicht zuletzt auf die wertvollen, zum großen Teil noch unveröffentlichten Briefe Weinhebers an Gerda Janota zurückgriff, soll in absehbarer Zeit an anderem Ort wiederholt werden.

Im Zeichen dieses planvollen, erfüllten Beginns wollen wir das Jahr 2013 fortsetzen und für eine erweiterte Wertschätzung und vertiefte Kenntnis der Gestalt unseres Dichters eintreten! Über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber informieren Sie nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das neue „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie derzeit unter der Adresse https://weinheberforum.wordpress.com erreichen. Dort finden Sie nicht nur die von der Weinheber-Gesellschaft selbst gestalteten Programmpunkte und alle unsere Mitteilungen laufend angezeigt, sondern auch Hinweise auf verschiedene Veranstaltungen aus den erweiterten Kreisen der Weinheber-Pflege. Gerne können Sie uns zu diesem Zweck auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen oder Aufführungen aufmerksam machen.

Auch dieses Jahr bleibt der Mitgliedsbeitrag mit Euro 21,80 unverändert. Jede Überzahlung wird mit herzlichem Dank verbucht und – wie schon an vorhergehender Stelle erwähnt – für die neue wissenschaftliche Jahresgabe und andere Aktivitäten der Josef Weinheber-Gesellschaft verwendet. Wie ersuchen Sie, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag auch richtig zuordnen können.

Anbei die notwendigen Bankcodes:

IBAN: AT 736 000 000 007 777 752

BIC: OPSKATWW

Auf Ihre Gewogenheit auch in Zukunft hoffend, verbleibe ich mit besten Wünschen und lieben Grüßen

Ihr Christian Weinheber-Janota e. h. (Präsident)

Jahresbericht 2011 / Programmausblick 2012

Kirchstetten, im Januar 2011

Die Josef Weinheber-Gesellschaft blickt auf ein ereignisreiches, zum Teil regelrecht turbulentes Jahr 2011 zurück. Zum einen gelang es diesmal, eine beachtliche Reihe von kleineren und größeren Veranstaltungen zu organisieren oder mitzugestalten. Dabei ragten zwei vielbeachtete und gutbesuchte Künstlerlesungen heraus: die den Jahresauftakt bildende Matinée von Verena Noll und Jürgen Pfaffinger, deren außerordentliches Gelingen allgemein den Wunsch nach Wiederholung entstehen ließ, sowie der vertraute frühherbstliche Höhepunkt mit dem Auftritt Ulli Fessls und Peter Urays in der Weinheber-Gemeinde Kirchstetten. Doch hatten die Weinheber-Freunde in aller Welt auch einen schweren, wenngleich nicht gänzlich unerwarteten Verlust zu beklagen. Dr. Friedrich Jenaczek, der zweifellos bedeutendste Weinheber-Forscher und Schöpfer der grundlegenden neuen Gesamtausgabe, verstarb im vergangenen Frühling im hohen Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt München (siehe den Nachruf auf unserer Homepage). Unser tiefes Mitgefühl gilt der Familie des Dahingegangenen, namentlich den beiden Söhnen Clemens und Markus. Die Josef Weinheber-Gesellschaft übernahm jenen Teil des schriftlichen Nachlasses, der ihren Arbeitsbereich betraf. Wir haben die dankbare Gewißheit: Indem wir uns heute um Josef Weinheber bemühen, stehen wir alle auf Friedrich Jenaczeks Schultern.

Zum anderen hatten wir uns im Sommer des vergangenen Jahres mit dem Wiederaufflammen einer Pressekampagne gegen das Weinheber-Denkmal auf dem Schillerplatz im ersten Wiener Gemeindebezirk auseinanderzusetzen, losgetreten von öffentlichen Stellungnahmen des scheidenden Rektors und der damals erst designierten neuen Rektorin der dort befindlichen Akademie der bildenden Künste. Da Josef Weinheber 1942, also unter dem NS-Regime, zum Ehrenmitglied der Akademie ernannt worden war, geriet auch diese – durch den Tod des Dichters freilich längst hinfällige – Tatsache ins Gerede. Inhalt und Qualität der veröffentlichten Äußerungen, die sich im wesentlichen auf Vorurteile, plumpe Vergröberungen und die völlig unzulässige Einschrumpfung Weinhebers zu einem Parteigänger der Nationalsozialisten, zum „Nazi-Dichter“ beschränkten, veranlaßte die Josef Weinheber-Gesellschaft zu klärenden Maßnahmen. Sie war es gewesen, die 1975 das Denkmal auf dem Schillerplatz mit der von Josef Bock gestalteten Büste errichtet und in die Obhut der Stadt Wien übergeben hatte, fungiert also immer noch als dessen Eigentümerin. Ein Interview des Präsidenten, Christian Weinheber-Janota, für die Tageszeitung Die Presse und ein offener Brief seines Stellvertreters, Dr. Christoph Fackelmann, der nicht nur an das Rektorat der Akademie, sondern auch an den Bürgermeister der Stadt Wien erging (veröffentlicht auch auf unserer Homepage), sollten dazu beitragen, den Blick auf die Fakten zu schärfen und für ein sachgerechtes und differenziertes Bild Weinhebers einzutreten. Der weitere Fortgang der „Affäre“ bleibt abzuwarten. Auch an anderen Stellen waren in letzter Zeit denkmalstürzerische Bemühungen um Josef Weinheber zu verzeichnen. Sie richteten sich etwa gegen das 1967 errichtete Denkmal auf der Feihlerhöhe (mit einem Porträtrelief von Rudolf Pleban), mit welchem die Wienerwaldgemeinde Purkersdorf der dort verbrachten Kindheitsjahre des Dichters gedenkt.

Angesichts all dieser unerfreulichen, zum Teil regelrecht bestürzenden Entwicklungen ist es der Josef Weinheber-Gesellschaft vor allem um eines zu tun: Wir sind der festen Überzeugung, daß die Erinnerung an Josef Weinheber, den großen Künstler und geistigen Menschen, in der Gegenwart nicht von Phrasen des politischen Kampfes und ideologischen Kurzschlüssen überschattet und verdrängt werden dürfe. Wir sind uns wohl bewußt, wie fremd und unbekannt das Werk des Dichters der Gegenwart geworden ist – vielleicht werden mußte –, aber wir meinen, daß diese Zeit es ihm und nicht weniger sich selbst schuldig ist, dem Namen Josef Weinheber mit mehr als bloß leeren Worten und blinden Reflexen zu begegnen. Ein „Skandal“ ist mit Josef Weinheber doch längst nicht mehr zu machen. Alles liegt seit Jahrzehnten offen am Tage, und nur die kurzlebige Medienwelt kann daraus noch Kapital für den Tag schlagen. Was über all dem geblieben sein sollte, wäre aber der Respekt für das vielschichtige, alles andere denn einsinnige Werk. Für eine lebens- und würdevolle Nationalkultur hätte dies eine Selbstverständlichkeit zu bedeuten.

Die Josef Weinheber-Gesellschaft hat es daher von jeher zu ihrem Prinzip erhoben, sich nicht zur Partei des Tages zu machen. Sie will sich folglich weder auf die Seite der einen schlagen, der eifernden Zeitgeist-„Antifaschisten“, für welche die „Entnazifizierung“ von Plätzen, Straßen und Orten zum Strategem im Kampf um Aufmerksamkeit, Macht und Einfluß geworden ist, noch auf die Seite der anderen, der dagegen wetternden Streiter für Heimat- und Volkstreue, die ihre Felle davonschwimmen sehen. – Und die Weinheber-Gesellschaft darf es auch nicht, sowohl aus grundsätzlichen Überlegungen als auch im Interesse ihres Schützlings, der mit den Parolen politischer Grabenkämpfe nichts im Sinn hatte und nicht zum Gesinnungsidol taugt. Auf diesem Prinzip muß sie auch bestehen, wann immer sie Kooperationen eingeht und gemeinsame Projekte verfolgt. Bleiben wir also hellhörig!

Im heurigen Jahr, in dem es des 120. Geburtstages von Josef Weinheber zu gedenken und somit ein kleines Jubiläum zu begehen gilt, möchte die Josef Weinheber-Gesellschaft, jenem Vorsatz getreu, vor allem wieder einen Beitrag zur Objektivierung des modernen Weinheber-Bildes leisten. Das Verständnis für den Dichter, dessen Werk und dessen Epoche zu erweitern und zu vertiefen, ist das Ziel des diesjährigen Hauptvorhabens: Wie angekündigt, soll heuer ein neuer Band unserer „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“ (2010/11/12) erarbeitet werden. Die Reihe, die vom LIT-Verlag, Wien-Berlin, in sein Programm übernommen wurde, soll diesmal nicht zuletzt auch in das breitere literarische Umfeld Josef Weinhebers eintauchen. Durch Einzel-, Vergleichs- und Beziehungsstudien erhoffen wir im Laufe der Zeit Aufschlüsse und Erkenntnisse über bislang von der Literaturgeschichte wenig beachtete Zeitgenossen zu gewinnen, die mit Weinheber in Verbindung standen, aber auch selbst Bedeutendes schufen. Weinheber in seiner Epoche und in deren mannigfaltigen und vieldeutigen Beziehungsgefügen zu beschreiben, stellt eine wichtige Voraussetzung für die oft geforderte „Historisierung“ seiner Gestalt – jedoch eben jenseits von geschichtspolitisch motivierter Schwarz-Weiß-Malerei – dar.

In dieselbe Richtung will schon das Büchlein weisen, das wir unseren Mitgliedern mit dem vorliegenden Bericht als Jahresgabe überreichen dürfen. Es wurde von der Josef Weinheber-Gesellschaft auf Einladung der Österreichischen Landsmannschaft gestaltet und erschien als Band 205 in der traditionsreichen Reihe der „Eckartschriften“. Die Verfasser, Karl Josef Trauner und Christoph Fackelmann, porträtieren darin Dichter und Bücher aus der deutschen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts, die heute weitgehend vergessen sind oder deren einst rühmendes Angedenken durch die modernen Zweifel inzwischen erheblich gebrochen erscheint. Der reichbebilderte Band, der zugleich eine kleine Festgabe zum bevorstehenden 80. Geburtstag unseres Ehrenmitglieds, des früheren Präsidenten HR Dr. Karl J. Trauner, bildet, geht auch der Frage nach dem Woher und Warum dieser Entwicklungen nach. Im abschließenden, ausführlichsten Kapitel bietet er eine Auseinandersetzung mit Josef Weinhebers Durchbruchswerk aus dem Jahre 1934, „Adel und Untergang“. Das Bändchen wird übrigens – aus Anlaß des heurigen Weinheber-Jubiläums – am Dienstag, den 20. März 2012, im Rahmen eines Vortrags von Dr. Christoph Fackelmann in Salzburg präsentiert, zu dem wir herzlich einladen: „,Verlassen war ich, jetzt bin ich verkannt. Deutsche Dichter als Opfer des Traditionsbruches im 20. Jahrhundert“ (Neuer Klub Salzburg, Restaurant „Urbankeller“, Schallmooser Hauptstraße 50, 5020 Salzburg, Beginn: 19 Uhr 30; freier Eintritt).

Der Jahresgabe liegt diesmal ein Probeheft der „Wiener Sprachblätter“ bei. Die Dezember-Ausgabe dieser „Vierteljahresschrift für gutes Deutsch und abendländische Sprachkultur“ enthält u. a. den ersten Teil einer Würdigung der Sammlung „Späte Krone“ (S. 13-17). Im vergangenen Herbst waren 75 Jahre vergangen, seit dieses Debütwerk Josef Weinhebers für den reichsdeutschen Langen-Müller-Verlag das Licht der Welt erblickt hatte. Fortsetzung und Abschluß des Aufsatzes werden im nächsten Heft abgedruckt, das im März 2012 erscheinen wird. Der Herausgeber der „Wiener Sprachblätter“, der „Verein Muttersprache“, welcher 1949 als Nachfolger des Wiener Zweiges des „Deutschen Sprachvereins“ gegründet wurde, möchte mit dieser Kostprobe zum Kennenlernen oder Wiederentdecken der nunmehr bereits im 62. Jahrgang stehenden Zeitschrift einladen. Sie erscheint seit 2010 in neuer Gestalt, mit einem überarbeiteten, modernen Konzept und widmet sich in populärwissenschaftlicher Art allen Bereichen des sprachlichen Lebens, einschließlich der Dichtkunst aus Vergangenheit und Gegenwart. Die Weinheber-Pflege hat innerhalb der „Sprachblätter“ eine lange und glückliche Tradition. Nachfolgende Ausgaben können direkt bei der Geschäftsstelle des Vereins bestellt werden (Fuhrmannsgasse 18-1A, 1080 Wien; Tel.: 0043-1-405 09 07).

Abschließend sei ein Hinweis auf eine Veranstaltung gestattet, die dem emeritierten Wiener Ordinarius für österreichische Literaturgeschichte Univ.-Prof. Dr. Herbert Zeman gewidmet sein wird. Den Weinheber-Freunden ist der Name ein Begriff. Herbert Zeman hat nicht nur selbst mehrmals über Josef Weinheber vorgetragen und publiziert (vgl. u. a. die Jahresgabe 1993/94, S. 66-79), er hat auch in durchaus maßgeblicher Weise organisatorisch zum Fortschritt der neuen kommentierten Gesamtausgabe beigetragen. Zu seinem 70. Geburtstag ist kürzlich eine gewichtige thematische Festschrift erschienen („Literatur – Geschichte – Österreich. Probleme, Perspektiven und Bausteine einer österreichischen Literaturgeschichte“, hrg. v. Christoph Fackelmann u. Wynfrid Kriegleder, Wien-Berlin: LIT Verlag 2011). Sie wird dem Jubilar am Donnerstag, den 26. Jänner 2012, in einer Feier an der Universität Wien überreicht (Kleiner Festsaal der Universität Wien, Dr. Karl Lueger-Ring 1, 1010 Wien, Beginn: 18 Uhr; freier Eintritt). Die Präsentation wird begleitet von einer Diskussion zum Thema „Österreichische Literaturgeschichte“ und einer künstlerischen Lesung aus privaten und beruflichen Dokumenten zur Frühgeschichte der Österreichischen Literaturforschung (vorgetragen von Adelheid Picha und Joseph Lorenz). Wir laden Sie auch dazu herzlich ein!