Jahresbericht 2018 / Programmausblick 2019

Kirchstetten, im Januar 2019

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Das vergangene Arbeitsjahr der Josef Weinheber-Gesellschaft stand im Zeichen des schweren Verlusts, den das Ableben unseres langjährigen Präsidenten Christian Weinheber-Janota am 26. Dezember 2017 bedeutet hatte.

Neuwahl des Vorstands

Die Gesellschaft hatte sich zunächst neu zu konstituieren, um die große Lücke, die Christian Weinheber-Janota hinterlassen hatte, wenigstens organisatorisch zu schließen. So wurde der Verfasser dieser Zeilen vom Vizepräsidenten zum Präsidenten der Gesellschaft „befördert“; als neue Vizepräsidentin stellte sich Frau Alexandra Weinheber-Janota, die Tochter des Verstorbenen, zur Verfügung. Ihr und der gesamten Familie Weinheber-Janota ist für die damit erwiesene wertvolle Kontinuität ihres Wirkens zugunsten unserer Institution sehr zu danken. Der neu zusammengesetzte, zunächst kooptierte Vorstand wurde in einer Außerordentlichen Generalversammlung am 11. November 2018 antragsgemäß in seinen Ämtern bestätigt. Mein herzlicher Dank gilt allen Mitgliedern des Vorstands sowie allen übrigen Teilnehmern für ihre keineswegs selbstverständliche Bereitschaft und Unterstützung.

Buchpräsentationen

In den ersten Monaten des vergangenen Jahres fand eine Reihe von Veranstaltungen statt, die der Präsentation der neuen, mit Unterstützung unserer Gesellschaft verwirklichten Weinheber-Auswahl, „Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“, galten. Überall traf ich dabei auf ein sehr interessiertes Publikum. Hervorzuheben wäre z. B. die schöne Präsentation im Rahmen des P.E.N.-Clubs Salzburg am 1. März (Lesung: Werner Friedl), der gemütliche „Abend für Josef Weinheber“, zu dem uns der Döblinger Heimatkreis von Wolfgang Schulz am 6. März geladen hatte (Rezitation: Peter Steinbach, s. Foto unten), und die spannende Diskussionsrunde in der Österreichischen Goethe-Gesellschaft am 9. April (Lesung: Dr. Herbert Schrittesser).

Von den kritischen Reaktionen, die das Buch, das alle Mitglieder als Jahresgabe erhalten haben, in der Presse hervorgerufen hat, sei der von großem Verständnis getragene Artikel von Prof. Dr. Günter Scholdt in der Berliner Wochenzeitung „Junge Freiheit“ vom 2. Februar 2018 besonders hervorgehoben („Bin ein düstrer Niemand diesem Land“, nachzulesen im Netzarchiv der Zeitung).

Ehrenmitgliedschaft für Ulli Fessl

Die Generalversammlung am 11. November 2018 fasste den Beschluss, Frau Ulli Fessl für ihre Verdienste um das Werk und die Person Josef Weinhebers die Ehrenmitgliedschaft der Josef Weinheber-Gesellschaft zu verleihen. Frau Fessl war das erste Mal im Jahr 1988 auf der Weinheber-Bühne der Gemeinde Kirchstetten gestanden, damals noch gemeinsam mit dem legendären Erich Auer. Sie hat sich seither als Schauspielerin, Vortragskünstlerin und auch als liebevolle Programmgestalterin in unnachahmlicher Weise für Josef Weinheber eingesetzt. Wir freuen uns sehr, dass sie die Ehrung angenommen hat. Die Urkunde wurde ihr im Rahmen der diesjährigen Lesung überreicht (s. Foto unten: Ehrenmitglied Ulli Fessl mit Brigitte Weinheber-Janota und Dr. Christoph Fackelmann).


Neben Ulli Fessl interpretierten diesmal Andreas Roder und Karl Tattyrek Lyrik von Josef Weinheber, musikalisch begleitet von Junko Tsuchiya (Klavier) und Taner Türker (Cello). Die Veranstaltung, die sehr gut aufgenommen wurde, stand unter dem Motto zweier Verse, die einst Hermann Claudius seinem Freund Weinheber gewidmet hatte: „Das ist das Wundersame deiner Kunst, / dass sie den Dingen ihr Geheimnis lässt …“

Neue Veranstaltungshinweise

Für heuer können wir zunächst zwei Veranstaltungen in intimerem Rahmen ankündigen, zu denen wir Sie sehr herzlich einladen (der Eintritt ist jeweils frei):

Samstag, 9. März 2019, 17:00 Uhr, Begegnungszentrum Quo vadis?, Stephansplatz 6, 1010 Wien: „Dienst im leergewordnen Heiligtume.“ Gedichte des Glaubens und der Gottsuche von Josef Weinheber und Reinhold Schneider. – Vortrag und Lesung: Dr. Christoph Fackelmann und Wolfgang Vasicek.

Dieser Veranstaltung für Liebhaber der Klassischen Moderne in Zusammenarbeit mit der Kulturinitiative „consideratio“ soll übrigens im Herbst ein zweiter Teil folgen. Darin stehen dann Georg Trakl und Karl Kraus im Mittelpunkt, beide bekanntlich zentrale Bezugsgrößen für Weinheber. Über das gesamte Programm der Reihe „Gedichte hören“ informieren die Seiten http://www.consideratio.at und http://www.quovadis.or.at.

Donnerstag, 11. April 2019, 17 Uhr 30, Volksbildungskreis Wien, Prinz-Eugen-Straße 44, 1040 Wien: „Ich bin ein Freund der Vergangenheit.“
Poetische Erinnerungen an das Alte Wien von Ferdinand von Saar bis Josef Weinheber. – Vortrag und Lesung: Dr. Christoph Fackelmann und Harald Cajka.

Auf weitere Termine werden wir Sie wie gewohnt in unseren Aussendungen und auf dem „Weinheber-Forum“ im Internet aufmerksam machen.
Bitte nützen Sie auch die Möglichkeit eines Besuches im Weinheber-Haus in Kirchstetten! Frau Brigitte Weinheber-Janota führt Sie gerne durch die original erhaltenen Schauräume und die Dauerausstellung, die viele sehenswerte Dokumente zeigt (telefonische Voranmeldung unter +43 [0]2743 8989 erbeten!). Am waldseitigen Ende des Gartens finden Sie, liebevoll gepflegt, die Grabstätte des Dichters.

Als kleinen Vorgeschmack auf den Besuch erlauben wir uns, diesem Jahresbericht ein Lesezeichen beizulegen, das die Weinheber-Gesellschaft im vergangenen Jahr für die jungen Besucher des Weinheber-Hauses aufgelegt hat („Weinheber für Frischlinge“).

Archiv und Sammlung

Im Sommer begann der Unterzeichnete eine schon lange geplante Neuordnung und Bestandsaufnahme der Arbeitsbibliothek im Weinheber-Haus. Die Aufschlüsse, die der dortige Buchbestand über Bildung, und Schaffen sowie über die bewegte Rezeptionsgeschichte des Dichters gewährt, sind nicht zu unterschätzen und bei weitem noch nicht vollständig erfasst. Die Neuaufstellung soll zunächst einmal eine bessere Übersicht und Verfügbarkeit gewähren. Die Durchsicht und Ordnung des Gesellschaftsarchivs soll folgen.

Unsere im letzten Jahresbericht erwähnten Bemühungen, neu aufgetauchte, wichtige Weinheber-Autographen (sog. Elisabeth-Ihle-Archiv) in sichere Obhut zu bringen, blieben vorläufig ohne Erfolg. Für einen Ankauf fehlen der Gesellschaft selbst die nötigen Mittel; finanzkräftige Förderer blieben bislang leider aus.

Auch mussten wir uns Mitte 2018 in der Sache eines eigenen Autographenkonvoluts aus dem Archiv der Gesellschaft (Briefe an Edmund Finke) gegen die Ansprüche eines Wiener Autographenhändlers zur Wehr setzen, was nur mit Hilfe unseres Mitglieds Dr. Helmut Noll und mit rechtsanwaltlichem Beistand gelingen konnte.

Das waren wenig erfreuliche Entwicklungen, die meine Bitte an die Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft unterstreichen: Wir brauchen engagierte Mitarbeiter und Unterstützer – solche, die unserer kulturellen Arbeit mit Rat und Tat, und solche, die ihr finanziell unter die Arme greifen. Bitte bedenken Sie: Wir müssen unsere Publikations- und Veranstaltungstätigkeit sowie unsere wissenschaftlichen Projekte derzeit nach wie vor fast ausschließlich auf private Initiative bauen. Da uns nicht selten ein verständnisloses gesellschaftliches Klima entgegenschlägt, verfügen wir auch über keine regelmäßigen Zuschüsse von öffentlicher Hand.

Nun wünsche ich Ihnen und unserer gemeinsamen Sache ein erfreuliches Jahr 2019 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen
Ihr

Dr. Christoph Fackelmann
Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft

Hier finden Sie die vollständige Fassung des Jahrersberichts im Original-Falterformat als PDF zum Herunterladen.

Jahresbericht 2017 / Programmausblick 2018

Kirchstetten, im Jänner 2018

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Dem Bericht über die Tätigkeit der Josef Weinheber-Gesellschaft im Jahr 2017 muss eine schmerzliche Mitteilung vorangestellt werden: Am 26. Dezember, wenige Wochen nach seinem 76. Geburtstag, ist der Präsident unserer Gesellschaft, Herr Christian Weinheber-Janota, nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Es sind Tage der Trauer und des Innehaltens für uns alle. Unsere Anteilnahme und unser tiefes Mitgefühl gelten in dieser Zeit der Familie, der Ehefrau Brigitte Weinheber-Janota, der Tochter Alexandra Weinheber-Janota, der Enkeltochter Johanna und allen anderen Familienangehörigen und Hinterbliebenen.

Dies ist nicht der Ort für einen Nachruf, der die Persönlichkeit Christian Weinheber-Janotas und dessen Verdienste um das Werk seines Vaters, des Dichters Josef Weinheber, in gebührender Form zu würdigen verstünde. Die Aufgabe muss einem anderen Rahmen und einem größeren zeitlichen Abstand vorbehalten bleiben. Einige Sätze der Erinnerung seien aber gestattet: lesen Sie bitte hier.

Ein letztes Ergebnis der Präsidentschaft Christian Weinheber-Janotas liegt in Gestalt des Buches vor, das Sie mit diesem Schreiben in Händen halten. Es handelt sich um eine Auswahl aus dem lyrischen Gesamtwerk mit dem einem Weinheber-Vers entnommenen Titel:

„Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“.

Das Buch möge, wenn es auch begreiflicherweise nicht unter diesen Vorzeichen entwickelt wurde, nun als ein Vermächtnis des Wirkens von Christian Weinheber-Janota aufgenommen werden, zumal es ohne dessen Befürwortung und Unterstützung nicht das Licht der Welt erblickt hätte. Neben der Förderung durch die Josef Weinheber-Gesellschaft, die den Band nun ihren Mitgliedern als Jahresgabe für 2016/17/18 überreichen darf, dankt dieser dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung – in Person der Leiterin der Abteilung für Literaturförderung, Frau Mag. Gabriele Ecker – einen großzügigen Druckkostenzuschuss. Dem Kyrene Literaturverlag des Schriftstellers und Theologen Mag. Martin Kolozs gebührt großes Lob für die Verwirklichung der Buchidee im Rahmen seines Herbstprogramms 2017 sowie für die anspruchs- und geschmackvolle Gestaltung, die einen Weg der Verbindung von modernen und altbewährten Mitteln suchte. Bei den Korrekturen und der redaktionellen Arbeit stand dem Herausgeber mit bewährtem Sachverstand und großer Gründlichkeit unser Mitglied, Herr Mag. Alexander Martin Pfleger (Glattbach), zur Seite. Auch ihm sei an dieser Stelle nachdrücklich gedankt!

Über die Ziele des Buches ist im vergangenen Jahresbericht schon das Wesentliche gesagt worden. Der Band möchte zum einen dem Wiederentdecken, aber auch Neukennenlernen dienen, indem er auf überschaubarem Raum einen profunden Einblick in das gesamte lyrische Schaffen Josef Weinhebers vermittelt, gruppiert entlang von zehn nach motivischen und formalen Gesichtspunkten gebildeten Gedichtkreisen und ergänzt durch zwei dokumentarische Anhänge, die das wenig bekannte Frühwerk und den Sonderbereich der Festgedichte aus der NS-Zeit anhand repräsentativer Beispiele erschließen. Zum anderen möchte das Buch auch historische Orientierung und biographische Information zur Verfügung stellen. Diesem mit dem gewachsenen Abstand wohl umso größeren Nachschlagebedürfnis der Gegenwart wollen das Nachwort und eine detaillierte Lebenschronik entgegenkommen.

Bitte, tragen Sie dazu bei, das Werk Josef Weinhebers mit Hilfe dieses neuen Auswahlbandes zu verbreiten. Zum ersten Mal seit langer Zeit verfügt der Buchhandel damit wieder über eine kompakte, philologisch verlässliche, für jedermann erschwingliche Anthologie der Weinheberschen Lyrik, zusammengestellt in der Überzeugung, dass diese doch allen vom Zeitgeist diktierten Vorbehalten zum Trotz aus dem literarischen Gedächtnis unseres Kulturraums nicht wegzudenken sei. Welche staunenswerte Substanz den Gedichten innewohnt, will die neue Auswahl einer heutigen Leserschaft erfahrbar machen.

Aus Anlass der 125. Wiederkehr des Geburtstags von Josef Weinheber konzipiert, kam das Buch erst gegen Ende des Jubiläumsjahres, am 12. Dezember 2017, in den Buchhandel. Die Verzögerungen waren durch allerlei hier und andernorts angedeutete äußere Umstände unvermeidbar geworden. Infolgedessen sind auch die im Zusammenhang mit dem Erscheinen geplanten, im letzten Bericht angekündigten Veranstaltungen nicht wie gewünscht zustande gekommen. In den nächsten Monaten soll die Vorstellung des Buches hingegen bei der einen oder anderen Gelegenheit nachgeholt und auf diese Weise die „Werbetrommel“ für Josef Weinheber gerührt werden.

Ein erster Termin in kleinem Rahmen steht bereits fest: Einen

„Abend für Josef Weinheber“

veranstaltet der Döblinger Heimatkreis am Dienstag, den 6. März 2018, um 18 Uhr 30 (Einlass 17 Uhr, Telefon: 0650 357 39 44) im „Wiener Gasthaus“, Iglaseegasse 40, 1190 Wien (Souterrain). Der Verfasser dieser Zeilen wird gemeinsam mit Wolfgang Schulz das Buch vorstellen und den Dichter zu Ehren kommen lassen.

Über weitere Termine werden Sie die Josef Weinheber-Gesellschaft und unser „Weinheber-Forum“ im Internet rechtzeitig informieren.

Zugunsten des kleinen Weinheber-Jubiläums 2017 sprangen aber nicht zuletzt einige Liebhaber-Initiativen verdienstvoll in die Bresche. Zwei seien stellvertretend hervorgehoben und herzlich bedankt: Das Bezirksmuseum Wien-Landstraße und der von Ingeborg Steyer geleitete Kulturverein „Roncalli“ veranstalteten am 28. März 2017 eine Lesung aus den Werken Josef Weinhebers, mit großer Spielfreude dargeboten von Peter Steinbach. Der Schwerpunkt lag auf den wienerischen Texten aus „Wien wörtlich“, mit köstlichen Interpretationen berühmter Rollen- und Szenengedichte.

Der „Kulturkreis Kirchstetten“ unter der Leitung von Karl J. Mayerhofer lud am 4. November 2017 zu einem Weinheber-Nachmittag in den Festsaal der Marktgemeinde Kirchstetten. Karl Tattyrek und Andreas Roder trugen Gedichte vor, „Die Gassenhauer & Manfred Hartl“ sorgten mit volkstümlichen Weisen in klassischer Form für gelungene musikalische Abwechslung. Auch hier interessierte vor allem der komödiantische Weinheber. Die Bezüge zur landläufigen Mundartliteratur, zum modernen Kabarett und gar zum wienerisch getönten Schlager der Marke „Austropop“, die dabei hergestellt wurden, werden bei denjenigen, die etwas tiefer mit dem Werk und dem Selbstverständnis Josef Weinhebers vertraut sind, auf verständliche Skepsis, ja Widerspruch gestoßen sein. Das Publikum lohnte die schwungvollen Bemühungen aller Beteiligten zu Recht mit Beifall und sichtlichem Vergnügen.

Auch heute, mehr als 70 Jahre nach dem Tod des Dichters, tauchen immer wieder unbekannte oder verloren geglaubte Weinheber-Manuskripte im Autographenhandel auf. Die Weinheber-Gesellschaft wäre finanziell bei weitem überfordert, wollte sie hier selbst sammelnd und archivierend hervortreten. Leider werden aber auch die budgetären Spielräume der öffentlichen Institutionen, also in Weinhebers Fall insbesondere der Österreichischen Nationalbibliothek, immer kleiner. Mitunter ergibt dies Situationen, wo eine gefährliche Zerstreuung der Handschriften in nicht näher bekannte private Hände unmittelbar zu befürchten ist. Der Forschung werden so wichtige Quellen vorenthalten. Ein solcher Fall drohte jüngst im Zusammenhang mit einem Briefwechsel, den Josef Weinheber in den Jahren 1936 und 1937 mit der Übersetzerin Elisabeth Ihle (1893–1988) aus Detmold geführt hatte. Diese Korrespondenz und Begleitmaterialien, das so genannte

Elisabeth-Ihle-Archiv“,

wurden der Gesellschaft jüngst von den Erben der Schriftstellerin angeboten. Über diese Briefe zu verfügen wäre für die Weinheber-Forschung von nicht geringem Wert. Sie schlössen eine echte biographische Lücke, zumal sich zwischen Josef Weinheber und Elisabeth Ihle eine enge, wenn auch nicht lange währende Beziehung entwickelte und der Austausch zwischen den beiden u. a. die bewegenden Erfahrungen der ersten Deutschland-Reisen des österreichischen Dichters spiegelte (vgl. u. a. den Brief an E. G. Kolbenheyer vom 19. 12. 1938 in der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft“ 2010/11/12, S.155ff., dazu die Erläuterungen auf S. 218).

Das Außergewöhnliche dieses Fundes und die erschwerenden Umstände des gegenwärtigen institutionellen Desinteresses lassen eine Ausnahme von unserer bisherigen zurückhaltenden Praxis geboten erscheinen. Wir verfügen über die Kompetenz, die Autographen wissenschaftlich zu erschließen und allgemein zugänglich zu machen und könnten sie später gegebenenfalls als Leihgabe oder Donat dem Nachlass einverleiben. Die Möglichkeit des Erwerbs und damit der Bewahrung für die Weinheber-Forschung wäre der Josef Weinheber-Gesellschaft aber nur mit Hilfe von großzügigen, zweckgebundenen Spenden aus unserem Unterstützerkreis gegeben. Hier müsste jedenfalls rasch gehandelt werden!

Bei Interesse setzen Sie sich bitte mit dem Unterzeichneten in Verbindung, der Ihnen sehr gerne für alle Auskünfte in dieser Angelegenheit, aber selbstverständlich auch bei anderen Anliegen und Anfragen zur Verfügung steht (E-Mail: christoph.fackelmann@aon.at; Telefon: +43 (0)676 5875347).

Wie immer informieren Sie über aktuelle Pläne und Veranstaltungen zum Thema Josef Weinheber nicht nur unsere brieflichen Aussendungen, sondern auch das „Weinheber-Forum“ im Internet, das Sie unter der Adresse http://weinheberforum.com erreichen. Gerne können Sie uns für diese Plattform auch auf Ihnen bekannte weitere Vorträge, Lesungen, Aufführungen und Publikationen aufmerksam machen (E-Mail-Kontakt: weinheberforum@aon.at)!

Am Ende dieses Rundbriefs dürfen wir Sie wieder um die Überweisung Ihres Mitgliedsbeitrags ersuchen. Er bleibt auch für 2018 mit

21,80 €

unverändert. Jede Überzahlung oder Spende stellt für unsere Arbeit eine wichtige Hilfe dar und wird dankbar entgegengenommen. Ein Erlagschein liegt bei. Bitte achten Sie darauf, Ihren Namen leserlich einzutragen, damit wir den Beitrag richtig zuordnen können!

Ich wünsche Ihnen und unserer gemeinsamen Sache ein gesegnetes Jahr 2018 und verbleibe im Namen der Josef Weinheber-Gesellschaft

mit herzlichen Grüßen

Ihr

Dr. Christoph Fackelmann e. h.
(Obmannstellvertreter)

Christian Weinheber-Janota verstorben

Am 26. Dezember 2017, wenige Wochen nach seinem 76. Geburtstag, ist der Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft, Herr Christian Weinheber-Janota, nach langer, schwerer Krankheit verstorben.

Geboren am 5. Dezember 1941 in Wien, wurde der einzige Sohn und Nachkomme Josef Weinhebers am 4. Jänner 1942 im Stephansdom im Beisein seines Vaters auf den Namen Johann Christian getauft. Die Kindheit verlebte er in Linz, wo seine Mutter, die studierte Germanistin Dr. Gerda Janota, in der Leitung der elterlichen Fabrik beschäftigt war. 1949 ging sie die Ehe mit Dr. Anton Stadler ein; Christian erhielt zwei Halbschwestern. 1961, drei Jahre nach dem Tode der Witwe Hedwig Weinheber, konnte der Sohn des Dichters das Landhaus im niederösterreichischen Kirchstetten beziehen, das er seither mit seiner Familie bewohnte. Auf Initiative Siegfried Ludwigs, des damaligen Landeshauptmanns von Niederösterreich, wurde ihm das Recht eingeräumt, den väterlichen Familiennamen zu führen.

Christian Weinheber-Janota (1941-2017) mit seiner Mutter, Dr. Gerda Stadler-Janota (1916-2008)

Nach dem glücklichen Abschluss des bis 1974 währenden Erbschaftsstreits gelang es Christian und seiner Mutter, den Nachlass Josef Weinhebers vollständig und unversehrt in die Obhut der Österreichischen Nationalbibliothek zu übergeben. Im Haus selbst wurden, von Christian und seiner Familie liebevoll betreut, einige Schauräume samt einer kleinen Dauerausstellung rund um das im ursprünglichen Ambiente belassene Arbeitszimmer Josef Weinhebers eingerichtet. Tochter, Schwiegersohn und Enkeltochter hauchten dem alten Haus neues Leben ein. Viele Reisende, die sich auf die Spuren des Dichters Josef Weinheber begeben hatten, fanden hier freundliche Aufnahme und in Christian Weinheber-Janota einen kundigen Führer. Im Laufe der Zeit wuchs er, der beruflich im Versicherungswesen tätig war, immer tiefer in die Rolle des Vermittlers und Bewahrers des väterlichen Erbes hinein.

Seit Ende der achtziger Jahre drückte sich dies auch darin aus, dass er das Amt des Präsidenten der Josef Weinheber-Gesellschaft versah. In den rund drei Jahrzehnten seiner Obmannschaft suchte er die oftmals verworrenen, leider immer seltener unter einem glücklichen Stern verlaufenden Pfade der öffentlichen Auseinandersetzung mit Josef Weinheber nach Kräften in verbindliche und besonnene Bahnen zu lenken. Organisatorisch trug er unter anderem maßgeblich dazu bei, dass die große Ausgabe der Sämtlichen Werke Josef Weinhebers, herausgegeben von Friedrich Jenaczek, zum Abschluss gelangte und dass im Gedenkjahr 1995 eine bis heute Maßstäbe setzende Weinheber-Ausstellung in den Räumlichkeiten der Österreichischen Nationalbibliothek stattfinden konnte. Er betreute die gedruckte Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft, bemühte sich um die Verwirklichung der bislang letzten Neuauflage der Weinheberschen Gedichtbücher, die das Niederösterreichische Pressehaus in den achtziger und neunziger Jahren vorlegte, zeichnete selbst als Herausgeber des „Großen Josef Weinheber Hausbuchs“ im Tosa Verlag (1995) verantwortlich, sorgte über viele Jahre hinweg für die traditionelle Dichterlesung im Gemeindesaal von Kirchstetten und sprang obendrein wissbegierigen jungen Weinheber-Forschern wie dem Unterzeichner dieser Zeilen, die am Tor des einstigen Aigenhofs läuteten, hilfreich bei.

Die Liste seiner Verdienste ließe sich noch lange fortsetzen. Unvergessen bleiben aber nicht nur sie, sondern vor allem sein geradliniges und gutmütiges Wesen, die herbe Herzlichkeit. In ihr kann vielleicht jene Charaktereigenschaft erblickt werden, die ihn am tiefsten mit dem berühmten Vater verband (dem er im Aussehen so ähnelte, dass manch Alteingesessener der Dorfgemeinde, der den Dichter noch persönlich erlebt hatte, ebenso manch Einkehrer im Weinheberhaus, der das Bild seines Lieblingspoeten verinnerlicht hatte, sich vor Staunen die Augen rieb). Hingegen war es wahrscheinlich das mütterliche Erbteil, das ihn mit beiden Beinen fest im Leben stehen ließ und ihm jene bewundernswerte Zuversicht verlieh, die er selbst noch in der schweren Zeit seiner Krankheit nicht verlor.

Der Kreis der Freunde des Dichters Josef Weinheber in aller Welt wird Christian Weinheber-Janota immer zu großem Dank verpflichtet sein. Wir werden ihm mit überzeugtem Herzen ein würdiges Angedenken bewahren.

Christoph Fackelmann