Sommertreffen im Weinheberhaus

Auftakt zum Sommer mit einem Besuch im Weinheberhaus: Am vergangenen Samstag, dem 18. Juni 2022, versammelte sich eine erlesene Schar in Josef Weinhebers einstigem Landsitz im niederösterreichischen Kirchstetten. Die Familie Weinheber-Janota hatte besonders verdiente Förderer der Josef Weinheber-Gesellschaft, frischgebackene Mitglieder und neue Interessenten eingeladen, um an einer Sonderführung durch die Schauräume des Hauses und zu dem am Rande des großen Gartens gelegenen Dichtergrab teilzunehmen.

Frau Brigitte Weinheber-Janota und der Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft, Dr. Christoph Fackelmann, führten die Besucher durch die im Originalzustand erhaltenen Räumlichkeiten, präsentierten die Bildersammlung mit den vielen Weinheber-Originalen und stellten die Bibliothek des Dichters und die ihm gewidmete kleine Museumsschau vor. Danach begab man sich zur denkmalgeschützten Grabstätte Weinhebers, um den Empfang schließlich in einem von der Familie gastfreundlich gestalteten Beisammensein bei rustikalem Speis und Trank auf der Terrasse vor dem Landhaus ausklingen zu lassen. Die lebhaften Gespräche an dem mit sonnigem Wetter gesegneten Tag waren von der gemeinsamen Hinwendung zum Geist des Hauses, der Kunst Josef Weinhebers, getragen. Auch das Andenken Christian Weinheber-Janotas, des vor vier Jahren verstorbenen Dichtersohnes, war spürbar. Gemeinsam war die Freude, nach den langen Monaten des gesundheitspolitisch bedingten kulturellen und gesellschaftlichen Stillstands wieder zu Gespräch und Austausch zusammenfinden zu können.

Die große Zustimmung zu der Veranstaltung legt es nahe, sie im kommenden Jahr zu wiederholen. Daher plant die Weinheber-Gesellschaft, auch 2023 wieder treue Unterstützer und Neuankömmlinge zu einem „Vorsommerempfang“ in das Kirchstettener Landhaus einzuladen. Interessenten können sich bereits voranmelden (weinheberforum@aon.at).

Am 2. Oktober 2022 soll übrigens eine andere, schon altbewährte Tradition wiederaufgenommen werden, die in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls durch die äußeren Umstände unterbrochen werden musste: die Weinheber-Lesungen im Festsaal der Gemeinde Kirchstetten. Ulli Fessl und Kurt Hexmann werden mit ihrem diesjährigen Programm u. a. an das Jubiläum 75 Jahre „Hier ist das Wort“ (1947-2022) erinnern. Eine offizielle Einladung an unsere Mitglieder folgt rechtzeitig!


Jahresbericht 2021 / Programmausblick 2022

Kirchstetten, Anfang Februar 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Mitglieder und Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft!

Auch das vergangene Jahr bot für das Kulturleben in Österreich kaum Raum zur Entfaltung. Die gesundheitspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung gestatteten es vor allem kleinen, gemeinnützigen Initiativen wie der unsrigen, deren organisatorisches wie materielles Fundament von jeher zum behutsamen Haushalten zwingt, nicht, ihr Veranstaltungsprogramm in gewohnter Form aufrechtzuerhalten. Starke Einschränkungen blieben auch 2021 unausweichlich.

Eine nachgeholte Gedenkmatinee

Glücklicherweise erlaubte es uns ein kurzes Zeitfenster im Frühherbst, währenddessen die pandemiebedingten Auflagen etwas gelockert waren, wenigstens eine Veranstaltung nachzuholen, die uns sehr am Herzen lag. Im Jahr 2020 hatten wir eine Lesung zur Würdigung des 75. Todestages von Josef Weinheber vorgesehen, die zunächst, noch in gutem Glauben, für April angekündigt worden war, um später noch an zwei Terminen im November zu einem Versuch anzusetzen. Jedesmal hatte uns das Verordnungsregime einen Strich durch die Rechnung gemacht; ärgerliche Verschiebungen und schließlich die Absage angesichts des trostlosen „Lockdowns“ waren die Folge gewesen.

Am 17. Oktober 2021 gelang es nun, das Programm von 2020, das an den Tod des Dichters erinnerte, in Gestalt einer Sonntagsmatinee doch noch nachzuholen. Den glänzend disponierten Vortragskünstlern Ulli Fessl und Kurt Hexmann sowie der Geigerin Valbona Naku war es zu danken, dass die Matinee ein wirklich gelungenes Ereignis wurde. Unter dem Weinheber-Motto „Jeder Blick verschwamm, da Abend war …“ brachte es nicht nur ein würdiges Totengedenken, sondern nach der Pause zum Ausgleich auch einen Ausflug in das Reich des Wiener Humors. Das gemeinsam mit dem Verein Muttersprache, dem Volksbildungskreis Wien und der Kulturinitiative „consideratio“ im Flemings Selection Hotel Wien-City verwirklichte Programm stieß auf große Zustimmung beim Publikum (u. a. berichtete die Wochenzeitung Zur Zeit vom 23./29. 10.).

75 Jahre Hier ist das Wort

Auch zur Stunde ist noch immer nicht abzusehen, ob und in welchem Maße der Verlauf der „Corona-Krise“ es uns heuer ermöglichen wird, Einladungen auszusprechen und öffentliche Veranstaltungen durchzuführen. Ich muß mich daher hier damit begnügen, einige Eckpunkte zu skizzieren:

Ein großes Anliegen ist es uns, die traditionelle Herbstlesung im Gemeindesaal von Kirchstetten 2022 nach zweijähriger Unterbrechung wieder aufleben zu lassen. Es böte sich auch ein schöner Anlass für einen Programmschwerpunkt: Heuer vor 75 Jahren erschien Josef Weinhebers letzter Gedichtband, Hier ist das Wort. Dieses Buch hatte der Dichter noch zu Lebzeiten fertiggestellt, aber erst zwei Jahre nach seinem Tod brachte es seine Witwe im Verlag Otto Müller in Salzburg heraus. Es hatte sich die wahrhaft große und ernste Aufgabe gesetzt, „die Substanz des abendländischen Gedichts noch einmal darzustellen, bevor sie vom allgemeinen Untergang des Geistes absorbiert wird“ (Brief an Martin Sturm, 3. 3. 1945). Ein Umbruchexemplar des vom Krieg verhinderten Erstdrucks mit seinen Letztkorrekturen gab Weinheber bei dem Maler Werner Berg, dem das Werk gewidmet war, in Obhut. Es ist ein echtes Rarum und befindet sich im Besitz unserer Gesellschaft. Die Vorderseite des vorliegenden Falters zeigt das Vorsatzblatt mit Weinhebers Imprimatur-Vermerk vom 29. 9. 1944.

Außerdem plant die Familie Weinheber-Janota für den Sommer einen kleinen, regelrecht „exklusiven“ Empfang im Weinheber-Haus in Kirchstetten. Es ist daran gedacht, zu „Brot und Wein“ mitsamt einer „Spezialführung“ durch die Gedenkräume und zum Dichtergrab sowie einer kleinen Lesung aus dem Werk Josef Weinhebers zu laden − immer vorausgesetzt, dass sich derartige gesellige Zusammenkünfte dann bereits ohne allzu große Auflagen realisieren lassen. Die Einladung soll sich vor allem an jene Mitglieder richten, die unsere Tätigkeit über die vergangenen Jahre mit außergewöhnlichen Zuwendungen unterstützt haben. Auch an neue Interessenten will sie sich wenden.

Wenn die Pläne spruchreif werden, werden wir Sie selbstverständlich wieder mit eigenen Aussendungen informieren. Auch können Sie jeweils auf unserer Netzseite http://www.weinheber.net aktuelle Mitteilungen lesen.

Marzik, Artmann, Weinheber und das Wienerlied

Während also über dem aktuellen Veranstaltungsprogramm noch das eine oder andere Fragezeichen steht, freut es mich umso mehr, Sie auch heuer mit einer Jahresgabe überraschen zu dürfen, die sich sehen − oder in diesem Fall besser: hören − lassen kann. Gemeinsam mit diesem Bericht erhalten Sie eine Audio-CD-Edition der Formation „Gemischter Satz“, gebildet aus dem Bassisten Günther Groissböck, dem Tenor Karl-Michael Ebner und dem Schauspieler, Kabarettisten und Autor Christoph Wagner-Trenkwitz als Rezitator. Das Anfang des vergangenen Jahres im Beethovensaal der Pfarrei Heiligenstadt aufgenommene Projekt beschreibt sich mit folgenden Worten: „Diese Doppel-CD verbindet vier verschiedene Ausdrucksformen der Wiener Seele: Duette, Lieder, Mundartliteratur und Schrammelmusik, die allesamt ihren Ursprung in der Wiener Heurigenkultur haben und bei aller Vielfalt und Unterschiedlichkeit für das stehen, was Wien musisch ausmacht. Es ist ein glücklicher Zufall, wenn ein gefeierter Opernbassist wie Günther Groissböck und ein ebenso populärer Tenor wie Karl-Michael Ebner eine Freundschaft entwickeln und ihre gemeinsame Liebe zum Wienerlied, Wiens einzigartigem musikalischen und soziokulturellen Phänomen, entdecken. Umso mehr, wenn dies zu einer Albumproduktion wie der vorliegenden führt, die zusätzlich gesprochene Einlagen enthält – witzige, aber auch pointierte, bissige und sarkastische Wiener Gedichte von Trude Marzik, Josef Weinheber und H. C. Artmann, mit viel Charme von Christoph Wagner-Trenkwitz gelesen –, dazu fesselnde Instrumentalstücke der Philharmonia-Schrammeln.“

Diese beiden Tonträger − wir zählen sie bereits als Jahresgabe für 2023, weil unsere letztjährige, die Gedichtauswahl Urtatsachen, für 2021 und 2022 galt − mögen ein helles und fröhliches Licht in unseren gegenwärtig ja nicht gerade von Hoffnung und Zuversicht durchfluteten Alltag werfen. Die Liste auf der nächsten Seite, die über die Jahresgaben der letzten beiden Jahrzehnte informiert (siehe hier), unterstreicht hoffentlich, dass die Josef Weinheber-Gesellschaft trotz ihren alles in allem recht bescheidenen Möglichkeiten eine Tätigkeit entfalten konnte, die sich in puncto Qualität und Kontinuität nicht zu verstecken braucht.

Das haben wir aber nicht zuletzt der von unseren Mitgliedern und Mitarbeitern geschaffenen Basis zu verdanken, und wir müssen alles versuchen, um es fortzusetzen. Bitte bleiben Sie unserem Forum daher auch weiterhin gewogen, und werben Sie dafür, wo immer sich Gelegenheit bietet!

Im Namen des gesamten Vorstands der Josef Weinheber-Gesellschaft wünsche ich Ihnen ein gutes Jahr 2022 und verbleibe mit herzlichen Grüßen

Ihr

Dr. Christoph Fackelmann e. h.

Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft

Hier finden Sie die vollständige Fassung des Jahresberichts im Original-Falterformat als PDF zum Herunterladen.

Alles Gute zum Geburtstag, Brigitte Weinheber-Janota!

Morgen, am 25. Juni 2021, feiert Brigitte Weinheber-Janota ihren 80. Geburtstag. Zu diesem runden Jubiläum gratulieren ihr die Josef Weinheber-Gesellschaft und die Weinheber-Freunde von nah und fern aufs herzlichste!


Brigitte Weinheber-Janota wurde am 25. Juni 1941 in Wels (Oberösterreich) geboren. Sie ist die Witwe nach Christian Weinheber-Janota, dem 2018 verstorbenen einzigen Sohn des Dichters Josef Weinheber und langjährigen Präsidenten der Josef Weinheber-Gesellschaft. An der Seite Christian Weinheber-Janotas und in verschiedenen wichtigen Funktionen innerhalb der Weinheber-Gesellschaft hat sich Brigitte Weinheber-Janota um das Andenken Josef Weinhebers und die Pflege seines Werks verdient gemacht. Derzeit kümmert sie sich im Amt der Kassierin um den korrekten Haushalt der Weinheber-Gesellschaft.

Wieviel Gästen des ehemaligen Landhauses des Dichters in Kirchstetten ist sie in dankbarer Erinnerung als freundliche Gastgeberin und äußerst kundige Führerin durch die Schauräume, die im Familiensitz originalgetreu eingerichtet wurden und von ihr in Schuss gehalten werden? Wer zählt die Weinheber-Freunde, die – oft ganze Busladungen voll – bereitwillige Aufnahme und liebevolle Betreuung fanden, wenn Brigitte Weinheber-Janota sich ihrer annahm und sie durch das Haus oder an das Grab des Dichters im Garten geleitete? Darüber hinaus sind die Verdienste, die sie sich um die Weinheber-Pflege erwarb, zu zahlreich, um sie hier aufzuzählen. Noch immer bemüht sie sich nach ganzen Kräften um das Anwesen des Dichters und pflegt es nicht nur als Heim ihrer Familie, sondern auch als ein Denkmal der Hinneigung Josef Weinhebers zum ländlichen Leben. Inzwischen steht ihr schon die Urenkelin des Dichters, Johanna, zur Seite.

Damit war und ist viel Arbeit und Sorge verbunden. Wir danken Brigitte Weinheber-Janota für ihre aufopfernde Tätigkeit und wünsche ihr alles, alles Gute für die kommenden Jahre! Möge sie sich ihre Gesundheit bewahren, im Kreis ihrer Familie und Freunde noch viel Schönes und Gutes erfahren und auch dem Andenken Josef Weinhebers weiterhin ihre Tatkraft schenken!

Foto: Brigitte Weinheber-Janota (rechts) gemeinsam mit Ulli Fessl, aus Anlass der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Frau Fessl, 2018.