Absage der Veranstaltung vom 14. Mai 2020

Die anhaltenden Restriktionen, die die Bundesregierung zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie verfügt hat, machen es nötig, auch die zweite Frühjahrsveranstaltung, die wir aus Anlaß des 75. Todestages von Josef Weinheber angesetzt hatten, abzusagen: Vortrag und Autographenschau unter dem Titel „Was vom Dichter blieb …“, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Volksbildungskreis Wien, können leider nicht planmäßig am 14. Mai 2020 stattfinden.

Wir bemühen uns um einen Nachholtermin mit unserem Gast, dem Autographensammler Mag. Hans-Ulrich Kopp. Noch ist allerdings nicht abzusehen, inwiefern die Durchführung kultureller Veranstaltungen im nächsten Semester wieder in sinnvollem Maß ermöglicht wird. Wir bitten Sie um Verständnis − bewahren Sie uns Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

Wien – Kirchstetten, Anfang Mai 2020
Der Vorstand der Josef Weinheber-Gesellschaft

Elegie auf den Tod Josef Weinhebers

Josef Weber
Märzelegie
An Josef Weinheber
(1947)

Schlenderten durch deinen Garten
vorfrühlings: Märzbecher, Primeln, Narzissen –
gingen von Baum zu Baum – Seelen,
viele des Abendlands standen
anders, dunkeln blühende Gärten,
in dem Abglanz des Abends
unsrer Gespräche.
Oft wie geronnenes Blut
stockte das Wort
schwarzrot wie die Äste,
die du gärtnerisch rauh,
aber lieb-kostest,
die von deiner so vielen,
hoffnungsvielen Mühe gereinigt,
prahlten, dem Tode geschmückt.

Ich sah dieses besorgt,
vorbedacht mehr noch.
Ordnung – damals erfuhr ichs –
war deines Geistes Lust
und die Lust deiner Hände,
aber die Seele ganz voll der
ungeheuren Vergeblichkeit
alles des Schönen.

Sahen: die Große, die Kunst, saß
wie ein Kind in den Trümmern,
schwarze Flüge ums Haupt,
um das unverwesliche.
Doch ihre Schwester Natur?
Tränen knospeten überall
in dem Gezweig, sie spielte,
schwieg, sang und ihre Meisen
schellten ein Frühjahr heran,
ein enterbtes.

O, das Abendland spiegelte
in deines Brunnens schwarzem Kristall
einmal noch ganz sich, ein letztes
schmerzvolles mal –
dann erlosch es.

Sanft ist das Land noch – ich weiß es –
immer noch sanft um den
unverstorbenen Garten,
ob es die Weizenbürde erträgt
oder ob es leise frohlockt
mit Disteln und Mohnen.
Aber nun hat es härtere Würde:
Es birgt dein Grab.

Dieses nachgelassene Gedicht des niederösterreichischen Arztes und Schriftstellers Josef Weber (eigentl. Josef Wenzlitzke, 1892-1969) erfuhr durch Ralf Gnosa seine Erstveröffentlichung im Rahmen des schönen, verdienstvollen Aufsatzes „Josef Weber und Josef Weinheber“ (Literaturwissenschaftliche Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft N. F. 2010/2011/2012, Wien-Berlin: LIT Verlag 2014, S. 80-124, hier 111f.). Wir erinnern damit an die 75. Wiederkehr des Todestages von Josef Weinheber zum heutigen Datum: Er starb am 8. April, dem Weißen Sonntag, des Jahres 1945 um 15 Uhr 30 in seinem Landhaus in Kirchstetten und wurde am 10. April 1945 in seinem Garten am Waldrand zur letzten Ruhe gebettet.

Foto: Das Grabmal Josef Weinhebers am Rande seines Anwesens in Kirchstetten (NÖ), Ansichtskarte, um 1960

 

Josef Weinheber
Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind
Eine Auswahl aus dem lyrischen Gesamtwerk
Mit einem Nachwort und einer Lebenschronik herausgegeben von Christoph Fackelmann
Kyrene Literaturverlag, Innsbruck-Wien 2017
Hardcover, 352 Seiten

„Ein Weinheber-Lesebuch für unsere Zeit … Niemand, der eine ernsthafte Beschäftigung mit Weinhebers Dichtung anstrebt, wird an diesem Buch vorbeikommen.“ (Alexander Martin Pfleger, „weltexpresso.de“, 24. 2. 2018)

Aus Anlass des Gedenkjahres:
Restexemplare (neuwertig) der im Buchhandel vergriffenen Auflage zum Sonderpreis von 12,50 Euro (statt 22,50
zuzügl. Porto)
Bestellen Sie bitte direkt über die Josef Weinheber-Gesellschaft (Tel.: +43 [0]2743 8989, E-Mail: weinheberforum@aon.at) oder über die Plattform „Booklooker“.

Widmungen für Josef Weinheber

Zum Gedenken des Todestages von Josef Weinheber, der sich morgen, am 8. April 2020, zum 75. Mal jährt, gibt die Josef Weinheber-Gesellschaft heuer wieder eine gedruckte Jahresgabe heraus. Mit ihr setzen wir zugleich unsere Reihe „Contineri Minimo“ fort, in der Raum für besondere Veröffentlichungen ist, die nicht für den breiten Buchhandel bestimmt sind.

Unter dem Titel „Widmungen. Ausgewählte Buchinschriften aus Josef Weinhebers Arbeitsbibliothek“ versammelt das neue Bändchen eine erste Auswahl von Widmungseinträgen aus Buchgeschenken, die zum erhaltenen Bestand der Dichterbibliothek in Kirchstetten gehören. Hier gibt es nicht nur berühmte Namen und unerwartete Beziehungen, sondern auch hochinteressante Geschichten zu entdecken. Die Hochschätzung für Josef Weinheber verbindet die vielfältigen Texte und Anlässe. In der Edition stehen den photographischen Reproduktionen der handschriftlichen Zueignungen jeweils eine sorgfältige Transkription und eine kurze historische Erläuterung gegenüber.

Bücher folgender Autoren werden in diesem Bändchen vorgestellt: Otto Weininger, Christian Morgenstern, Albrecht von Blumenthal, Theodor Haecker, Max Stefl, Egon Fenz, Ernst Jünger, Romano Guardini, Josef Sellmair, Bruder Sonka (Hugo Sonnenschein), Hans Leifhelm, Erwin Guido Kolbenheyer, Franz Theodor Csokor, Dr. Owlglass (Hans Erich Blaich), Heinrich Suso Waldeck (Augustin Popp) und Ina Seidel.

Das Heft ist druckfertig – bis auf einige kleine Nachträge, die sich wegen der behördlichen Einschränkungen zur Bekämpfung der sogenannten COVID-19-Pandemie derzeit verzögern. Als Erscheinungstermin ist daher erst Mitte Mai vorgesehen. Alle Mitglieder der Josef Weinheber-Gesellschaft erhalten ein kostenloses Exemplar. Für Nicht-Mitglieder besteht die Möglichkeit, das Heft um einen Selbstkostenpreis von € 5,00 (+ Porto) zu bestellen, telefonisch unter: +43 (0)2743 8989 oder per E-Mail an: weinheberforum@aon.at

Hier finden Sie das Inhaltsverzeichnis, die Vorbemerkung und eine Leseprobe (Albrecht von Blumenthal: Griechische Vorbilder, Geschenk von Othmar Haeller 1930) (PDF).

Widmungen. Ausgewählte Buchinschriften aus Josef Weinhebers Arbeitsbibliothek
Bearbeitet von Christoph Fackelmann
(Contineri Minimo. Texte aus der Josef Weinheber-Gesellschaft, Zweite Folge)
Kirchstetten-Wien: Mai 2020, Privatdruck für Freunde der Josef Weinheber-Gesellschaft
36 Seiten, geheftet, zahlreiche SW-Abbildungen