Kirchstettener Weinheber-Lesung 2015

Ulli Fessl und Gottfried Riedl lesen Josef Weinheber

Sonntag, 11. Oktober 2015, 15:00 Uhr

Festsaal der Marktgemeinde Kirchstetten (NÖ); Eintritt: 10 Euro

Wie jedes Jahr laden die Josef Weinheber-Gesellschaft und die Marktgemeinde Kirchstetten zur herbstlichen Lesung aus dem Werk Josef Weinhebers. Das Programm bestreiten die beliebten österreichischen Schauspieler Ulli Fessl und Gottfried Riedl, am Klavier begleitet von Leopold Grossmann. – – Ein Fixtermin für alle Freunde des Dichters!

Nimm, wo immer du seist, Dulder verwandter Qual, /ob du kämpfst oder schweigst, oder wie ich die Nacht / um die bleierne Schläfe / und die Schwermut im Herzen trägst – // Über Schwund und Zerfall, über die Zeit hinweg / nimm, o nimm dieses Wort, Bürgschaft dem Wissenden. / Daß er ahne, ein Gleicher / lebt wie er, der dem Übel trotz. (…)“

Diese Verse Josef Weinhebers („An den Bruder“), ursprünglich gerichtet an den jüdisch-deutschen Arzt und Schriftsteller Paul Cohn, geben diesmal den Ton an: Der thematische Schwerpunkt der heurigen Lesung liegt auf dem seltenen und fragilen Naheverhältnis zwischen Dichter und Leser.

Das Programm verfolgt einige intensive und wichtige Freundschaften, die Josef Weinheber während der Zeit vor und nach seinem Durchbruch in den dreißiger Jahren zu Bewunderern seiner Kunst einging. Sie begleiteten sein damaliges Schaffen, halfen ihm durch schwere seelische Krisen hindurch und regten ihn zu besonderen Werken an. Neben Cohn im schlesischen Guben a. d. Neiße rücken der Kritiker und Karl-Kraus-Biograph Leopold Liegler in Wien sowie der Lyriker Alfred Margul-Sperber aus Burdujeni in der Bukowina in den Vordergrund. Berühmte und ergreifende Gedichte Weinhebers, aber auch Beispiele für seine polemische und satirische Ader illustrieren diese brüchigen Beziehungen.

Kartenvorbestellung: 02743/8206 oder 02743/8989

„Ich werde wieder sein, wenn Menschen sind“

Matinée am Sonntag, 14. Juni 2015, 11:00 Uhr

HELMA GAUTIER liest Gedichte von und über Josef Weinheber

Aus Anlass des 70. Todestages: „Hier ist das Wort“ und andere Gedichte aus den späten Jahren, Lyrik von Ernst Waldinger, Josef Weber und Wystan H. Auden

Musikalisches Programm: Alexandra Bachtiar, Cello – Arcola Clark, Harfe

Begleitende Worte: Dr. Christoph Fackelmann

Vortragssaal des Fleming’s Deluxe Hotels Wien-City, Josefstädter Straße 10-12, 1080 Wien

Anschließend Gelegenheit für Speis und Trank im Restaurant des Fleming’s Deluxe Hotels Wien-City

Eintritt: 10,00 Euro / Kartenreservierungen: Tel. +43 (0)2743 8989; information@weinheber.at / Tischreservierungen für das Restaurant: Tel. +43 (0)1 20599-0

Veranstaltet von der Josef Weinheber-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Verein „Muttersprache“, Wien

Im Gedenken an den Heimgang Josef Weinhebers vor 70 Jahren wendet sich die Lesung der beliebten Burgschauspielerin und Vortragskünstlerin Helma Gautier der späten Lyrik des Dichters zu. Es sind die von Krieg und Diktatur überschatteten Jahre, in denen das Buch „Hier ist das Wort“ entstand, das zwar noch von Weinheber zum Druck freigegeben wurde, aber zu seinen Lebzeiten nicht mehr erscheinen konnte. Außerdem arbeitete der Dichter bis zuletzt an einer Sammlung seiner sprach- und zeitkritischen Versglossen.

Hier gibt es reiche Schätze zu heben, faszinierende und ergreifende Töne klingen an: die unbedingte Liebe zur Sprache, die Verantwortung in der Kunst, der Kampf gegen die unmenschliche Zeit, bitteres Selbstgericht und leidenschaftliches Bekenntnis zur großen Tradition.

Darüber hinaus will die Lesung Gedichte in Erinnerung rufen, die über Josef Weinheber geschrieben wurden, wie etwa Josef Webers schöne „Märzelegie“ auf den Tod des Dichters und das großartige Gedicht, das Weinhebers posthumer Nachbar in Kirchstetten, der bedeutende englische Autor Wystan Hugh Auden, zu seinem Gedächtnis verfasste.

Hier finden Sie den Programmfalter zur Matinée.

 

„Vielgeliebte Hilde …“

Veranstaltungshinweis:

„Vielgeliebte Hilde …“

Ulli Fessl und Gottfried Riedl lesen aus einem skurrilen Briefwechsel des jungen Josef Weinheber

Montag, 23. Februar 2015, 20 Uhr 15

Komödie am Kai, Franz-Josephs-Kai 29, 1010 Wien

Telefon: +43 1 5332434-0

Freier Eintritt; Spenden zugunsten der Aktion „Künstler helfen Künstlern“ erbeten.

Im Jahr 1916 führte Josef Weinheber einen intensiven Briefwechsel mit der damals noch nicht ganz achtzehnjährigen Hilde Zimmermann aus Wagstadt bei Troppau (Österreichisch-Schlesien). Die Bekanntschaft entsprang einer Kontaktanzeige, auf die Weinheber – wie in anderen Fällen auch – aus Lust an geistigen Herausforderungen und erotischen Abenteuern reagiert hatte. Es kam auch zu einer persönlichen Begegnung und einem flüchtigen Liebesverhältnis, aber Hilde Zimmermann konnte sich schließlich doch nicht überwinden, dem Werben des vierundzwanzigjährigen Schriftstellers, der unter dem Pseudonym Sven Teaborg an Sie herangetreten war, nachzugeben.

Die Korrespondenz ist aus sozial- und kulturgeschichtlichen Gründen sehr interessant; sie gibt aber auch Aufschluss über die Geistigkeit, die Bildungserlebnisse und das künstlerische Selbstverständnis Weinhebers, der darin manchen Blick in die Werkstatt seiner tastenden und probenden Anfänge, bestimmt von einem grüblerisch-schwärmerischen „Gottsuchertum“, gewährt. Darüber hinaus zeigen die Briefe ein heute oftmals skurril und unfreiwillig komisch wirkendes Rollenspiel vor dem ernsten Hintergrund gesellschaftlicher Zwänge und individueller Sehnsüchte in zerrütteter Zeit.

Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Josef Weinheber und Hilde Zimmermann: Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft, Kirchstetten, 1989/90, S. 5-74.