Zur Kampagne gegen das Weinheber-Denkmal auf dem Schillerplatz – Offener Brief an den Wiener Kulturstadtrat

S. g. Herrn
Dr. Andreas Mailath-Pokorny
Wiener Landesregierung
Amtsführender Stadtrat für Kultur und Wissenschaft
Friedrich-Schmidt-Platz 5
1080 Wien

Wien – Kirchstetten, am 8. Juli 2013

Betrifft: Stellungnahme zur Kampagne gegen das von der Josef Weinheber-Gesellschaft errichtete Denkmal auf dem Schillerplatz in Wien

Die Josef Weinheber-Gesellschaft verwahrt sich gegen die undifferenzierte Kritik an dem Denkmal für Josef Weinheber, das 1975 von der Gesellschaft auf dem Wiener Schillerplatz errichtet und in die Obhut der Gemeinde übergeben wurde. Sie hält es für inakzeptabel, dass sich die Stadtregierung in Person des Kulturstadtrats auf die Seite einer kleinen, offenbar radikalen Gruppe stellt, die sich mit ihrer am vergangenen Wochenende am Denkmal verübten „Kunstaktion“ „Weinheber ausgehoben“ über einen Bescheid der städtischen Behörde hinweggesetzt hat. Die von den Protagonisten dieser Aktion geforderte und vom Stadtrat öffentlich unterstützte „Umgestaltung“ des Weinheber-Denkmals kommt für die Josef Weinheber-Gesellschaft solange nicht in Frage, als sie dem plumpen Verdikt gehorcht, Josef Weinheber als „Nazidichter“ zu brandmarken und an ihm ein „antifaschistisches“ Exempel zu statuieren. Eine verantwortungsvolle Kulturpolitik hätte eine sachliche, tatsachengerechte Diskussion über Josef Weinheber und sein Denkmal zu gewährleisten, der sich auch die Weinheber-Gesellschaft selbstverständlich nicht verschließen würde. Die Stadtregierung muss sich dessen bewusst sein, dass sie keineswegs freie Verfügungsgewalt über das Denkmal besitzt. Angesichts der derzeitigen Entwicklung behält sich die Josef Weinheber-Gesellschaft als letzte Konsequenz vor, das in ihrem Besitz befindliche Denkmal der Obhut der Stadtgemeinde wieder zu entziehen und von dem öffentlichen Platz, an dem es bisher stand, zu entfernen. 

 

Offener Brief an den Kulturstadtrat von Wien

 

„… ich musste, seit ich berühmt bin, dem Mob aller Schattierungen meinen Tribut zahlen. Gleichwohl weiß ich um meine Substanz. Sie ist umschrieben mit: Einsamkeit, Urangst, Frömmigkeit.“ (Josef Weinheber, 1943)

Wien – Kirchstetten, am 8. Juli 2013

Sehr geehrter Herr Stadtrat Dr. Mailath-Pokorny!

Die als „Denkmalssturm“ verkündete Aktion gegen das Josef-Weinheber-Denkmal auf dem Wiener Schillerplatz am letzten Juni-Wochenende sowie die sie begleitende, kampagnenartige Aufregung in verschiedenen Medien nötigt uns zu folgender Stellungnahme:

Die Gemeinde Wien ist eine Verpflichtung eingegangen, als sie das Weinheber-Denkmal auf dem Schillerplatz in ihre Obhut nahm.

Da es in den Selbstdarstellungen der aktionistischen Studentengruppe ebenso ausgeklammert wurde wie in der Presseberichterstattung, dürfen wir Ihnen, sehr geehrter Herr Stadtrat, eingangs eine Tatsache in Erinnerung rufen, über die Ihr Büro wohl unterrichtet sein müsste: Das in diesen Tagen erneut kritisierte Denkmal auf dem Schillerplatz wurde im Jahr 1975 von der Josef Weinheber-Gesellschaft errichtet. Die Stadt Wien hat dies damals nachdrücklich begrüßt und willkommen geheißen. Die Gemeinde hat, vertreten durch einen hohen Magistratsbeamten, das Denkmal bei der Einweihung am 21. Juni 1975 „in ihre Obhut übernommen“. Sie ging damit die Verpflichtung ein, für die Instandhaltung des ihr anvertrauten, aber nicht zum Eigentum und nicht in freie Verfügungsgewalt übergebenen Denkmals Sorge zu tragen. Dazu gehört nach unserer Auffassung selbstverständlich auch die Aufrechterhaltung des Denkmals in dessen ursprünglicher konzeptioneller Gestalt, also die Gewährleistung der ideellen Unversehrtheit. Dieser Aufgabe ist die Stadt bisher dankenswert nachgekommen, und das – wie wir annehmen, zur Zufriedenheit der allermeisten Wiener – etwa auch in der Beseitigung verschiedener Spuren von ideologisch-politisch motiviertem Vandalismus. Darin liegt wohl auch begründet, dass die zuständige Magistratsbehörde der Studenteninitiative von der sog. „Plattform Geschichtspolitik“ auf deren Ansuchen um Erlaubnis für eine eigenmächtige „Umgestaltung“ des Denkmals einen negativen Bescheid erteilt hat – d. h. erteilen musste.

Weniger die als „landschaftsarchitektonische“ Kunstaktion ausgegebene, vorübergehende Beeinträchtigung der Integrität des Denkmals durch jene kleine Gruppe selbsternannter „Antifaschisten“ ist uns Anlass zur Sorge als vielmehr Ihre eigene, in diversen Medien kolportierte Stellungnahme zu diesem Vorgehen: Sie, sehr geehrter Herr Stadtrat, haben dabei öffentlich Ihre Sympathie für diese selbst nach dem Dafürhalten der Protagonisten rechtswidrige Aktion bekundet, sich für deren Verlängerung ausgesprochen und außerdem einer künftigen Veränderung des Denkmals im Sinne der von der Gruppe geforderten „Umgestaltung“ bzw. „Kontextualisierung“ das Wort geredet.

Der argumentative Kern der Äußerungen zum Denkmal-Streit, der Ihrer Stellungnahme und dem „bekenner_innenschreiben“ der Aktionsgruppe entnommen werden kann, ist die Forderung nach einem breiten vergangenheitskritischen „Diskurs“, den es über das Denkmal, dessen Gegenstand und historische Gestalt zu führen gelte. Dazu sei Folgendes bemerkt:

Derzeit wird kampagnisiert, nicht diskutiert.

Eine Diskussion über Josef Weinheber und über das ihm gewidmete, von der Weinheber-Gesellschaft errichtete Denkmal auf dem Schillerplatz wäre selbstverständlich nichts, wogegen die Josef Weinheber-Gesellschaft etwas einzuwenden hätte, auch dann nicht, wenn darunter wie im vorliegenden Fall doch in allererster Linie, wenn nicht gar ausschließlich die Auseinandersetzung mit den politischen Aspekten von Leben, Werk und Wirkung Josef Weinhebers verstanden werden sollte. Die Forderung nach „Diskurs“, wie sie im vorliegenden Zusammenhang erhoben wird, wird aber den Grundanforderungen, die an eine sinnvolle Debatte zu stellen wären, keinesfalls gerecht. Eine Diskussion, wie wir sie verstehen, setzt zumindest zweierlei voraus: die Bereitschaft zum Dialog, gerade und besonders auch in der Zuwendung zu anderen Auffassungen und der Einbindung Andersdenkender, sowie ein Mindestmaß an Objektivität und Differenzierungswillen im Umgang mit den historischen Tatsachen rund um den Gegenstand. Die Polemik, von der die „Kunstaktion“ auf dem Schillerplatz begleitet wurde, leistet dies nicht und zeigt auch keinerlei Ambition, in eine solche, echte Diskussion einzutreten.

Dass sich Weinheber mit den Nationalsozialisten eingelassen hat, ist bekannt, dass er ein großer Dichter war, bereits vergessen.

Vielmehr suggeriert sie, dass die Debatte um die politischen Problemaspekte im Zusammenhang mit Josef Weinhebers Biographie noch gar nicht begonnen habe und man daher dringend nötige, mutige Pionierarbeit leiste. Das ist hingegen völlig falsch. Denn in den letzten Jahrzehnten wurde zu diesem Thema, namentlich zu der Frage der Involvierung Weinhebers in NS-Bewegung und NS-Herrschaft, ausführlich geforscht und publiziert (zuletzt etwa wurden 2009 durch die Weinheber-Gesellschaft selbst auch die Akten der – keineswegs homogenen, alles andere als mustergültigen – NSDAP-Mitgliedschaft Weinhebers aus dem Österreichischen Staatsarchiv aufgearbeitet und ediert). Es wurde darüber auch in breiterer medialer Vermittlung, in Tageszeitungen, Magazinen und im Rundfunk, intensiv berichtet und diskutiert. Im Gegenteil würde ein Blick in neuere Lexika, Handbücher und Literaturgeschichten zeigen, dass Weinheber kaum noch anders als unter diesem Vorzeichen und diesem Interesse gemäß Behandlung erfährt, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass er der gewöhnlichen Presse seit langem nur noch unter diesem Aspekt eine Schlagzeile wert ist. Die Diskussion über Josef Weinheber hätte also, wollte sie die Öffentlichkeit über den mit dem Denkmal gewürdigten Autor aufklären, eigentlich zunächst bei dem Dichter und Künstler anzusetzen, der als solcher inzwischen ein Unbekannter geworden ist, während doch, anders als die Polemik der letzten Tage wieder einmal unterstellt, der „Nazi“ Weinheber schon jedermann ein Begriff ist: Bei einem Dichter also, von dessen in der Tat in vielen Bereichen denkwürdigem Werk und von dessen wirklicher Popularität („Wien wörtlich“) die Stadt und das Land lange und gerne profitiert haben.

Das „Nazi-Dichter“-Verdikt dient der Verunglimpfung, nicht der Aufklärung.

Den Betreiber der „Umgestaltung“ des Denkmals am Schillerplatz ist daher weiters vorzuwerfen, dass sie Weinheber ohne Bedenken auf den „NS-Dichter“ (weniger höflich: den „Nazi-Dichter“) reduzieren. Die von ihnen und von ihren Sympathisanten getätigten öffentlichen Äußerungen stilisieren Weinheber zu einem der Hauptprotagonisten der NS-Kulturpolitik vor wie nach dem „Anschluss“. Sie führen ihn abwechselnd als opportunistischen Hauptprofiteur, der seinen außerordentlichen Erfolg weitgehend dem Protektorat der Nationalsozialisten verdanke, und als „Supernazi“ vor, als strammen Parteisoldaten, der sich der „Bewegung“ auf Gedeih und Verderb verschrieben und zu dessen „ostmärkischer“ Speerspitze in der Literatur erhoben habe (desgleichen sich auch die wildesten Erzeugnisse einer gleichgeschalteten Literaturkritik unter NS-Herrschaft nicht zu behaupten unterstanden hätten). Damit werden sie – die es vermutlich auch wissen – einer so komplexen und vielschichtigen Erscheinung der österreichischen Literaturgeschichte, wie es Josef Weinheber ist, nicht einmal annähernd gerecht. Was sie an „Fakten“ andeuten, um dieses Verdikt zu untermauern, erweist sich bei näherer Kenntnis als verleumdend, verfälschend, verzerrend oder jedenfalls grob vereinfachend, nicht selten als schlichtweg unzutreffend.

Das Weinheber-Denkmal aus geschichtspolitischen Machtspielen heraushalten!

Es kann ihnen also nur dazu dienen, sich selbst und ihre gegenwärtigen politischen Anliegen in Szene zu setzen. Sie führen – übrigens erklärtermaßen – auf Kosten des Weinheber-Denkmals einen „Stellvertreterkrieg“ um Größeres. Indem es ihnen offensichtlich bei dem verlangten „Diskurs“ einzig um die Durchsetzung eines ganz bestimmten, von vornherein feststehenden „Weinheber-Bildes“ geht, setzen sie die Instrumentalisierung des Dichters zu fremden Zwecken fort, die dieser (wenngleich, wie er selbst wiederholt eingestand, nicht ohne eigene Schuld) schon zu Lebzeiten erfahren musste. Die Kulturpolitik und die Medienöffentlichkeit Wiens stellen sich kein gutes Zeugnis aus, wenn sie sich zu Erfüllungsgehilfen solcher Versuche machen. Einen „Diskurs“ auf dieser Ebene kann die Josef Weinheber-Gesellschaft jedenfalls begreiflicherweise nicht gutheißen, geschweige denn unterstützen.

Das Weinheber-Denkmal ist kein Monument unbewältigter Vergangenheit.

Die Kritiker des Wiener Weinheber-Denkmals suggerieren ferner, dass das Monument am Schillerplatz selbst ein Zeugnis bzw. Relikt höchst fragwürdiger Machenschaften sei. Sie vermitteln den Eindruck, das Denkmal sei in einer Atmosphäre und aus einer Gesinnung heraus errichtet worden, in der es entweder selbst als das Dokument von „Ewiggestrigem“ die Interessen reaktionärer Gruppen in der österreichischen Gesellschaft repräsentieren sollte oder in der zumindest das Problematische an ihm von einer politisch unreifen Öffentlichkeit, welche vor der Auseinandersetzung mit der eigenen jüngeren Vergangenheit kategorisch zurückscheute, damals geflissentlich ignoriert worden sei. Auch das ist eine Verfälschung der Tatsachen. Die gedruckt vorliegenden Unterlagen zu der – übrigens unter einer SPÖ-Alleinregierung in Bund wie Stadt vollzogenen – Denkmalsenthüllung sprechen eine deutlich andere Sprache. (Wir verweisen insbesondere auf die Ansprache des damaligen Präsidenten der Josef Weinheber-Gesellschaft, Dr. Karl Röhm, aus Anlass der feierlichen Enthüllung.) Selbstverständlich gab es dabei zeitbedingte Grenzen, haben sich die Perspektiven seit damals verändert und verschoben, hat sich das Bedürfnis nach kritischer Distanz seit damals verstärkt. Aber es soll nicht so getan werden, als habe dieses damals gänzlich gefehlt und habe sich nicht eine redliche, auch heute noch respektable Absicht mit der Denkmalserrichtung verbunden. Zudem war die Diskussion über Weinhebers Anteil an der NS-Vergangenheit Österreichs bzw. Deutschlands damals natürlich schon längst im Gange und nicht einfach mehr auszublenden (sie setzte im übrigen schon in den ersten Jahren nach 1945 ein und pflanzte sich in vielerlei, mehr oder minder ernst zu nehmende Richtungen fort). Zum Monument der vielbeschworenen Halsstarrigkeit und Verbohrtheit des Österreichers im Umgang mit den „dunklen Seiten“ seiner Geschichte dürfte das Weinheber-Denkmal also schwerlich taugen.

„Diskurs“ setzt Dialog, „Umgestaltung“ Verständnis voraus.

Wenn die Arbeit der studentischen Projektgruppe, die eine „temporäre Umgestaltung“ des Weinheber-Denkmals vorbereiten sollte bzw. zu der jetzt veranstalteten Aktion „Weinheber ausgehoben“ geführt hat, den erstrebten „Diskurs“ nicht bloß als Phrase oder Vorwand im Programm führte, sondern ihn tatsächlich als Dialog verstehen möchte, so hätte wohl schon einer der allerersten Schritte darin bestehen müssen, den Dialog mit den Errichtern des zum Stein des Anstoßes erhobenen Denkmals zu suchen. Mit uns, der Josef Weinheber-Gesellschaft, haben allerdings bis dato weder die „geschichtspolitische“ Aktionsgruppe noch die kulturpolitischen Entscheidungsträger der Stadt Wien einen Dialog aufgenommen. Es ist für uns indes nicht grundsätzlich ausgeschlossen, dem Denkmal eine den veränderten Gesichtspunkten angepasste Adaption angedeihen zu lassen. Die Voraussetzung für eine kommentierende Ergänzung oder auch eine (entsprechend behutsam und umsichtig vorzunehmende) gestalterische Modifikation stellt für uns aber die Herstellung eines Konsenses über die oben angedeutete versachlichte Basis jeder weiteren Planung und die damit verbundene Rückkehr zu Besonnenheit dar. Unmöglich erschiene uns dies, solange polemisches Kalkül, plakative Selbstdarstellung des an der Veränderung interessierten politischen Milieus oder Selbstzweck der sog. „Umgestaltung“ im Vordergrund stünden. – Wir aber wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und sollen es offenbar auch künftig werden.

Unter diesen Auspizien erlauben wir uns abschließend, Ihnen Folgendes zu Kenntnis zu bringen: Für den Fall, dass sich die Stadt Wien in Gestalt ihrer politisch verantwortlichen Vertreter nicht in der Lage sehen oder nicht willens zeigen sollte, die von ihr im Jahr 1975 eingegangene, oben skizzierte Obhutspflicht weiterhin wahrzunehmen, und für den Fall, dass sie beabsichtigen sollte, gegen den Willen und ohne maßgebliche Einbeziehung der Errichter in den Entscheidungs- und Planungsprozess in die gestalterische Integrität des Weinheber-Denkmals einzugreifen, behielte sich die Josef Weinheber-Gesellschaft als letzte Konsequenz vor, das in ihrem Besitz befindliche Denkmal der städtischen Obhut, welche damit ja nicht mehr gegeben wäre, wieder zu entziehen und von dem öffentlichen Platz, an dem es bisher stand, zu entfernen.

Dieses Schreiben ergeht als Offener Brief auch an die Kultursprecher sämtlicher im Wiener Gemeinderat vertreten Parteien, an die Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt sowie an ausgewählte Tageszeitungen und Presseagenturen.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Weinheber-Janota e. h.
Präsident der Josef Weinheber-Gesellschaft
Erbe nach Josef Weinheber

Mag. Dr. phil. Christoph Fackelmann e. h.
Vizepräsident der Josef-Weinheber-Gesellschaft
Herausgeber der „Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe“

HR Mag. Dr. phil. Karl Josef Trauner e. h.
Gymnasialdirektor i. R.
Ehem. Präsident, Ehrenmitglied der Josef Weinheber-Gesellschaft
Vizepräsident zur Zeit der Denkmalserrichtung

Mag. phil. Dr. iur. Helmut Noll e. h.
Richter i. R.
Mitglied der Josef Weinheber-Gesellschaft
Juristische Beratung

Friedrich Jenaczek 1918 – 2011

Friedrich Jenaczek, der große Weinheber-Forscher, ist tot.

Wien – Kirchstetten, am 2. Mai 2011

 Am Ostermontag, den 25. April 2011, verstarb Dr. Friedrich Jenaczek in seiner Heimatstadt München. Er stand im 93. Lebensjahr. Die Beisetzung fand am Freitag, den 29. April, auf dem Münchener Westfriedhof statt. Die Josef Weinheber-Gesellschaft trauert um ihr Ehrenmitglied. Mit Dr. Friedrich Jenaczek ging der bedeutendste Weinheber-Forscher des 20. Jahrhunderts von uns. Ihm verdankt die Auseinandersetzung mit Werk, Leben und Wirkung des Dichters so viel, daß es sich mit wenigen Worten nicht ausdrücken läßt.

Am 18. Juli 1918 in Mähren geboren, studierte Friedrich Jenaczek in Brünn, Prag und München Germanistik, Slawistik, Geschichte und Philosophie. Nach dem Krieg und einer fast fünf Jahre andauernden Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion lehrte er, heimatvertrieben, am München-Kolleg als Gymnasialprofessor. In den fünfziger Jahren begann seine publizistische Beschäftigung mit Josef Weinheber. Es entstanden in rascher Folge bahnbrechende, bis heute maßgebliche Studien, Entwicklungsskizzen und Einzelinterpretationen. Ihnen ist es insbesondere zu verdanken, daß die ästhetischen Grundlagen der Weinheberschen Lyrik geklärt werden konnten. In Abkehr von den älteren, diesbezüglich weitgehend im Dunkel tappenden Bemühungen und in kritischer Revision der damals tonangebenden Weinheber-Arbeiten Josef Nadlers erhellten Jenaczeks Beiträge erstmals das schwierige Gebäude der Weinheberschen Poetik, das “Sprachkunst”- Bewußtsein und dessen konkreten Einfluß auf die Textgestaltung der seit den frühen zwanziger Jahren entstehenden neuartigen Gedichte und Zyklen. In der langwierigen Rechtssache des Weinheber- Nachlasses fungierte Friedrich Jenaczek als verdienstvoller Gutachter. Er erlangte Einsicht in die umfangreiche Hinterlassenschaft und durchforschte die erhaltene Arbeitsbibliothek des Dichters. Eine lange Freundschaft verband ihn mit Gerda Stadler-Janota, der Mutter von Weinhebers einzigem Sohn und Erben. Der Otto Müller-Verlag betraute den inzwischen führenden Weinheber- Kenner mit der Neuausgabe des Weinheberschen Gesamtwerks. Jenaczek stellte in den seit 1970 erscheinenden Bänden seiner Studienausgabe nach und nach die gesamte Kenntnis der Werküberlieferung und Textgeschichte auf ein neues Fundament. Die zahlreichen, oft genug  folgenschweren Fehler und Irrtümer der von Nadler betreuten Erstausgabe und Biographie konnten schließlich unter Einbeziehung des gesamten nachgelassenen Materials beseitigt werden. Vielerlei Entdeckungen halfen, ein ganz neues Bild von Josef Weinheber entstehen zu lassen und eine Vielzahl an neuen Gesichtspunkten und Erkenntnisperspektiven für das Verständnis aufzutun. Die Kommentare und Nachworte der Neuedition bilden bis heute eine einzigartige Fundgrube. 1996 schloß Jenaczek mit dem dritten Band, dem insgesamt sechsten Teil, seine Edition ab. Im selben Jahr gestaltete er die große Weinheber-Gedenkausstellung in der Österreichischen Nationalbiliothek in Wien.

Eng verbunden mit seinem lebenslangen Interesse für Josef Weinheber war Friedrich Jenaczeks Eintreten für Karl Kraus. Dem österreichischen Satiriker und Dichter, der entscheidend zu Weinhebers künstlerischer Selbstfindung beigetragen hatte, widmete Jenaczek seit den frühen sechziger Jahren zahlreiche eingehende Studien. Im Jahre 1965 erschienen seine “Zeittafeln zur Fackel”, eine Pionierarbeit systematischer Kraus-Forschung. Jenaczek war auch hier vor allem bemüht, die geistigen und künstlerischen Fundamente für das Schaffen und Wirken freizulegen und sie von den lastenden Vorurteilen und Verkürzungen abzugrenzen. Mit seinen oftmals durchaus polemisch angelegten und mit großem kritischen Ernst und geistiger Souveränität vorgetragenen Plädoyers für Karl Kraus und Josef Weinheber – beide waren für ihn nicht zu trennen – trat er für das gegen den “Untergang der Welt durch schwarze Magie” gerichtete Sprachethos altösterreichischer Prägung ein – in einer vor allem in Deutschland in den sechziger und siebziger Jahren keineswegs selbstverständlichen Weise. In enger Verbindung mit eingefleischten “Krausianern” wie Edwin Hartl oder Werner Kraft erwies er sich hier als eine immens hellhörige zeitkritische Kraft, deren diesbezügliche Bedeutung es erst noch zu entdecken gilt, zumal sie persönlich nie in den Vordergrund drängte. Zahlreiche weitere philologische und historische Arbeiten begleiteten diese Großprojekte, darunter eine Edition der “Reden und Schriften” des Arbeiterführers Ferdinand Lasalle (1970) sowie eine Reihe von Grundsatzbeiträgen auf dem Gebiet der Sprachtheorie und der Formästhetik.

Was Friedrich Jenaczek für das Werk und das Andenken Josef Weinhebers getan hat, bleibt trotz allen modischen Anfechtungen unvergessen. Der Verlust könnte größer nicht sein, doch können wir immerhin ermessen, welch erfülltes und erfüllendes Gelehrtenleben hier, fernab aller äußeren Ehren und Würden, zu Ende ging. Unser Gedenken gilt einem Menschen, dessen aufrichtige Liebenswürdigkeit und nimmermüder Einsatz ebenso zu berühren vermochten, wie sein außerordentlich klarer Geist, die tiefe Gedanklichkeit seiner Worte und sein einmaliger Blick für die Wunder der lyrischen Sprache die Herzen derer, die für die Kunst leben, zu gewinnen wußten.

Christoph Fackelmann

Stellungnahme zum Streit um das Weinheber-Denkmal auf dem Wiener Schiller-Platz

Über die geschichtspolitisch gebotene „Ergänzung von Leerstellen“ im öffentlichen Raum

Eine polemische Stellungnahme

Wien, am 6. August 2011

 

Unter dem Titel „Josef Weinheber weiterhin Ehrenmitglied der Akademie“ berichtet die Tageszeitung „Der Standard“ am 5. August 2011 (S. 23, verfasst von Thomas Trenkler) von Vorwürfen gegen die Akademie der bildenden Künste in Wien, diese sei bei der Aufarbeitung ihrer Geschichte in den Jahren unter der NS-Herrschaft bisher säumig gewesen. In diesem Zusammenhang wird neuerlich auf die Kritik „einer Gruppe von Studierenden und jungen Lehrenden“ namens „Plattform Geschichtspolitik“ eingegangen. Sie hat u. a. die Forderung erhoben, dem Schriftsteller Josef Weinheber die 1942 verliehene Ehrenmitgliedschaft an der Akademie abzuerkennen und das 1975 zu seinem Gedächtnis errichtete Denkmal auf dem Schiller-Platz (mit der von Josef Bock gestalteten Büste) zu entfernen. Ersteres besäße, bald siebzig Jahre nach dem Tod des Dichters, zumindest einen merkwürdigen Beigeschmack des Feigen und Lächerlichen, letzteres zweifellos die größere Tragweite. Ich möchte zu dieser konkreten Angelegenheit – nicht zu den allgemeinen Vorhaltungen an die Adresse der Akademie, worüber ich mir kein Urteil anmaße – als Weinheber-Forscher und als Liebhaber Weinheberscher Lyrik Folgendes feststellen:

 

Es ist richtig, dass Weinheber sich 1942 – als er seinen 50. Geburtstag feierte und ihm die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der bildenden Künste verliehen wurde – von allerlei Vertretern des offiziellen Wien huldigen ließ, dass er sich in diesen Jahren wiederholt bereit gefunden hatte, Festgedichte im Auftrag politischer Stellen und öffentlicher Institutionen zu verfertigen, Texte, denen er selbst in der Regel zwar keinerlei Bedeutung beimaß, außer, dass sie ihm Geld einbrachten und im Arrangement mit den Mächtigen eine gewisse, ohnedies recht trügerische Sicherheit gewährten. Richtig ist ferner, dass er nicht die Konsequenz aufbrachte, sich den vielen Bemühungen um seine Person dauerhaft zu verweigern, die den berühmten Dichter für offiziöse Zwecke (Lesungen, Festakte, Feiern etc.) reklamieren wollten und ihm verschiedene Ehrungen zuteil werden ließen, auch wenn dies alles erwiesenermaßen längst eine furchtbare seelische Belastung für ihn darstellte und er, ebenso erwiesenermaßen, längst vom unheilvollen Verbrechertum des Regimes überzeugt war* … (Man soll nun nicht glauben, dass er sich ausgerechnet um die Ehrerbietungen von Seiten der Akademie gerissen habe; diese haben ihn aber zweifellos mehr gefreut als das Scharwenzeln der Schirach-Administration.)

Richtig ist aber auch, dass Weinheber in dieser Zeit als Künstler hauptsächlich damit beschäftigt war, seine letzte große Lyriksammlung – die ihm angesichts der Lage immer mehr zu einem Vermächtnis wurde – zu vollenden: Sie wurde schließlich 1944 unter dem Titel „Hier ist das Wort“ gedruckt und stand zur Jahreswende 1944/45 vor dem Erscheinen, konnte aber kriegsbedingt erst 1947, also nach dem Tod des Dichters, tatsächlich herausgebracht werden. Wer nun einen Blick in dieses Buch wirft (um hier nur von dem spätesten Schaffen zu sprechen, Ähnliches gilt freilich für die früheren Werke), wer es unvoreingenommen, ehrlich und mit einem gewissen Sachverstand studiert, der wird wohl der Auffassung dessen zustimmen, der sich als Literaturwissenschaftler und Philologe lange mit ihm beschäftigt hat: Dem Verfasser gebühre durchaus, dass man ihm Denkmäler setze. (Übrigens ist in „Hier ist das Wort“ auch der von Weinheber verfasste Festprolog zum 250. Bestandsjubiläum der Akademie enthalten – vielleicht kein großes Gedicht, jedoch in mehrerer Hinsicht nicht uninteressant und bestimmt auch nichts, wofür sich die Akademie heute zu schämen hätte.**)

Da macht es schon stutzig, ja es bereitet regelrecht Schmerzen, diesen Mann heute nur noch als „NS-Dichter“ bezeichnet und damit abgefertigt zu sehen – mit einem der schlimmsten uns heute zur Verfügung stehenden Disqualifizierungsbegriffe. Aber die berichtete Sache geht ja noch weiter: Die designierte Rektorin, Frau Professor Eva Blimlinger, mit den Vorwürfen des Versäumnisses in geschichtspolitischen Dingen konfrontiert, bekundet die Absicht, die Frage der Ehrenmitgliedschaften insgesamt noch einmal genauer prüfen zu wollen. Sie glaubt aber bereits im Voraus, also gleichsam freibrieflich, erklären zu können, Weinheber wäre die Ehrenmitgliedschaft aus ihrer Sicht „jedenfalls abzuerkennen“. (Bei dieser Gelgenheit: kann man einem Toten eine Mitgliedschaft überhaupt aberkennen? Das ist ja kein Doktortitel und Weinheber kein Guttenberg, der sich die Würde betrügerisch erschlichen hätte. Und was sollte es beweisen: dass die Zeiten sich geändert haben? Und wen soll es treffen: die Familie, die Nachkommen?)

Noch mehr forderte der scheidende Rektor, Herr Professor Stephan Schmidt-Wulffen, der schon vor einem Jahr im Sinne der Proponenten des geschichtspolitischen Reinigungskomitees die Stadt Wien zur Umgestaltung des Schiller-Platzes aufrief. Namentlich verlangte er, dass die „Leerstelle“ der auszuradierenden Denkmalbüste auf dem Schiller-Platz demonstrativ „mit entsprechenden Information über seine (Weinhebers) nationalsozialistische Vergangenheit ergänzt“ werde. Wir deuten uns das sprachliche Rätsel so: Auf den zu leerenden Sockel möge an Stelle der beseitigten Büste ein Instrument der Aufklärung des bislang im Dunkeln tappenden Volkes gesetzt werden – ein moderner Denkmalsturz als vollendete Teufelsaustreibung! Das Denkmal solle durch den öffentlichen Anschlag eines „Sündenregisters“ über die politischen Verfehlungen des einst damit Geehrten ersetzt werden – eine ganz neuartige, in ihrer Hypokrisie und Perfidie kaum noch zu überbietende Geste der Vergangenheitsbewältigungs- als einer Vergangenheitsbemächtigungskultur. Geschichtliche Orientierung im gewachsenen öffentlichen Raum und bürgerliche Gedächtniskultur werden durch ein bevormundendes, tendenziell geschichtsloses Sittenwächtertum ersetzt, betrieben von Pressure-Groups beflissener Ahnungslosigkeit und eilfertigen Wechslern tagespolitischen Kleingelds.

Nun sollte man aber doch nicht davor zurückschrecken, die einmal entdeckte Methode – das staunenswerte „Ergänzen von Leerstellen“ also – gehörig auszudehnen und mit aller Konsequenz anzuwenden. Denn da gäbe es noch viel zu tun: Wir wollen alle Monumente, Bauwerke, überhaupt alle Gegenstände, die an jemanden erinnern, der unseren Vorstellungen von politischer Gesinnungsreinheit und moralischer Unfehlbarkeit nicht standhält, radikal tilgen, und an die Stelle der so entstandenen unzähligen weißen Flecken in Österreich wollen wir das mahnend aufzurichtende Scheltwort der moralischen Verdammung und Ausgrenzung setzen, wir pflastern also unsere historisch gewachsene Kulturlandschaft mit den Urteilen einer Art posthumer Inquisition zu. Am nächsten läge es, gleich mit dem Schiller-Platz selbst und dem großen Schiller-Denkmal fortzufahren, ist es doch eindeutig die Frucht jener unheilschwangeren deutschnationalen Begeisterung aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Und gegenüber, nicht weit über dem Ring, das Goethe-Denkmal ehrt jenen zweiten Dioskuren der Reaktion, den aufgeblasenen Fürstendiener und rücksichtslosen Weiberhelden. Und gar nicht weit entfernt, das Grillparzer-Denkmal im Volksgarten: gilt das nicht jenem Parteigänger der habsburgischen Konterrevolution, der einen berühmten Propagandagesang auf den blutigen Niederwerfer der italienischen Freiheitsbewegung verfasste („In deinem Lager ist Österreich …“). Und dann die an jeder Ecke den Touristen aufgedrängten Mozartkugeln, die den Namen eines in die Welt hinaustragen, der schon als kleines Kind auf dem Schoß der Kaiserin saß und für die Mächtigen aufspielte. Ganz zu schweigen von den eigentlichen Kalibern der politischen Praxis: Metternich-Palais und Metternich-Villa (selbstredend!), das Belvedere, das sich dem Türkenschlächter Prinz Eugen verdankt, die Stephanskirche – sie steht unter der Patronanz eines zwanghaften Heidenmissionars und unverbesserlichen Sektierers (gut, der büßte immerhin mit Steinigung für seine Umtriebe) – erfuhr ihre erste Weihe als Eigenkirche des Landesfürsten, als dieser sich gerade als leidenschaftlicher Kreuzfahrer gegen die Seldschuken gerierte, und so weiter, und so fort. – Welch ein Potential an Leerstellen! Mancher der solcherart Erledigten wird das paradoxe Schicksal verdient haben, ausradiert und zugleich an den Pranger gestellt zu werden, mancher, den wir heute noch brauchen könnten, gerät dabei eben unter die Räder … Was soll’s? Der Zweck heiligt auch dabei die Mittel, und so wichtig kann es schon nicht gewesen sein.

Fällt denn keinem von jenen Eiferern, keinem der an ihrer Seite journalistisch Erregten auf, dass das Streben nach politischer Hygiene im öffentlichen Raum und im kulturellen Gedächtnis mit derartigen Akten schon eine ans Närrische grenzende, jedenfalls Züge des Grotesken und Absurden aufweisende Stufe erreicht hat? – Adolf Hitler sei immer noch Ehrenbürger von Amstetten, Braunau, Waidhofen an der Ybbs und Gott weiß wo noch, geisterte es vor Wochen durch den österreichischen Kosmos und bis nach Brüssel. „Josef Weinheber weiterhin Ehrenmitglied der Akademie“, titelt jetzt der „Standard“: Tinterljuchee*! Wie man mit Leerstellen das Sommerloch füllt …

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Ich persönlich bin der Auffassung, dass es eine kultivierte und zivilisatorisch gefestigte Gesellschaft aushalten muss, ja soll, auch solcher Protagonisten ihrer reichen und vielschichtigen Geschichte öffentlich zu gedenken, die hinsichtlich der politischen und sonstigen Moral, der Gesinnung und Weltanschauung keine völlig reine Weste besitzen. Vorausgesetzt, dass ihre sonstigen Verdienste – wofür sie ihrer Profession nach eigentlich stehen – dies rechtfertigen und sich ihre „Verfehlungen“, gemessen an deren historischem Umfeld, im verzeihlichen Maße bewegen. (Ich setze das Wort „Verzeihung“ hier ganz bewusst.)

Ich persönlich bin aber auch für die Entfernung aller Weinheber-Denkmäler und -Gedenktafeln, ja selbst der Straßenschilder mit seinem Namen, überhaupt aller störenden Zeichen der Erinnerung an die einstige Verehrung und Wertschätzung dieses Dichters aus der österreichischen Öffentlichkeit. Im konkreten Fall und unter den gegenwärtigen Bedingungen halte ich das allemal für besser. Weinheber selbst – auch das steht für mich fest – hat es nicht nötig, dass eine Nachwelt Denkmäler von ihm unterhält, die ihm nur noch den einen „Ruhm“ zubilligt, ein berüchtigter „Nazi-Dichter“ gewesen zu sein, die mithin nicht in der Lage oder nicht willens ist, anders als in der plumpesten aller plumpen Vorurteilskategorien über ihn „nachzudenken“, die nicht bereit ist, sich durch eine auch nur irgendwie angemessene Auseinandersetzung mit seinem Schaffen darüber kundig zu machen, wen sie da in Bausch und Bogen verwirft und von der Erdoberfläche der ihr überkommenen und anvertrauten Lebenswelt zu tilgen bemüht ist!

Dr. Christoph Fackelmann m. p.

Vizepräsident der Josef Weinheber-Gesellschaft

Herausgeber der Literaturwissenschaftlichen Jahresgabe der Josef Weinheber-Gesellschaft


* Dessen Ideologie er, trotz zeitweiliger Parteimitgliedschaft, zu keinem Zeitpunkt nahe stand; schon 1936 spricht er z. B. im Hinblick auf seinen unerwarteten Erfolg im „nationalsozialistischen Deutschland“ von „der deutlichen Inkongruenz zwischen meiner im Werk dokumentierten Geistigkeit und den augenblicklich die Gemüter bewegenden Thesen von Blut und Boden“. – Es gibt zahlreiche ähnliche Belege.

** Im Zuge der Jubiläumsfeier am 24. 10. 1942, zu der dieser Prolog, von Ewald Balser gesprochen, dargeboten wurde, erfolgte die Ernennung Weinhebers sowie einiger einschlägiger politischer Würdenträger und etlicher weiterer Künstler zu Ehrenmitgliedern der Akademie.

* Zitat J. W., „Wien wörtlich“, in Anlehnung an Karl Kraus.